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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2017
Neuer Mut in schweren Zeiten
Jüdische Gemeinden in Deutschland
Der Inhalt:

Vorgespräch: Wann sind Computer-Spiele Kunst?

von Birgit-Sara Fabianek vom 27.10.2017
Fragen an Stephan Schwingeler, Kurator der Ausstellung »Digital Games« in Aachen

Publik-Forum: Viele digitale Spiele setzen auf Gewalt, Krieg oder Sexismus. Was haben solche Spiele im Museum zu suchen?

Stephan Schwingeler: Nichts. Computerspiele erobern aktuell als neue Kunstform die Museen, so wie vorher Fotografie oder davor Performance. Das Ausgangsmaterial ist nicht künstlerisch an sich – man kann daraus Kunst machen, aber auch Gewalt verherrlichen, Propaganda zeigen oder Pornos. Natürlich gehört das nicht ins Museum. Aber indem Games zur Kunstgattung erhoben werden, wächst die Verantwortung der Produzenten, Spiele zu gestalten, die humanistische Standards erfüllen.

Wie muss ich mir die Ausstellung »Digital Games« vorstellen – werden da Geräte und Spieleverpackungen in Vitrinen gelegt?

Schwingeler: Unbedingt interaktiv. Spiele, die nicht gespielt werden können, sind eine traurige Sache. Deshalb werden in Aachen Computerspiele wie klassische Videokunst präsentiert: Als Besucher betritt man durch einen Vorhang eine Blackbox, sieht die Spiele als großflächige und brillante Projektionen an der Wand und kann dann die Spiele ausprobieren. Ich habe als Kurator eher poetische Spiele ausgesucht.

Welche denn?

Schwingeler: Das Spiel »Everything« des irischen Künstlers David O’Reilly zum Beispiel, das ist wunderbar gemacht. Das Spiel simuliert ein komplettes Sonnensystem. Als Spieler erkundet man diese Welt auf unterschiedlichen Ebenen, indem man größer oder kleiner wird. Man kann die Welt aus der Perspektive von Blütenpollen erleben oder den Kosmos aus Sicht der Sonne betrachten. Es gibt keine Gewalt, nicht einmal ansatzweise, und auch kein definiertes Ziel, bei dem man gewinnen oder verlieren kann. Die Spielidee liegt in den faszinierenden Perspektivwechseln.

Es gibt dieses Klischee vom blassen, jungen, männlichen Gamer, der im Keller Ego-Shooter spielt. Ist da was dran?

Schwingeler: Das kommt vor, ist aber nicht die Regel. Ein Kriegs-Shooter ist tatsächlich auf diese Zielgruppe junger Männer zugeschnitten. Aber eigentlich spielen alle. Nach Angaben der Bundesverbände spielen inzwischen schon 49 Prozent der Frauen und 51 Prozent der Männer Computerspiele – Kinder ebenso wie Großeltern.

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