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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2019
Abschied von Gandhi
150 Jahre nach seiner Geburt herrschen in Indien Gewalt und Fanatismus
Der Inhalt:

»Die jungen Leute brauchen Mentoren«

von Annette Lübbers vom 15.10.2019
Viele Menschen engagieren sich in der Flüchtlingshilfe. Der pensionierte Schulleiter Fritz Schmid hat einen syrischen Flüchtlinge bis zum Abitur begleitet.
Deutschunterricht: Junge Geflüchtete beim Lernen (Foto: pa/zb/Britta Pedersen)
Deutschunterricht: Junge Geflüchtete beim Lernen (Foto: pa/zb/Britta Pedersen)

Ich halte Mohammed für einen ganz erstaunlichen jungen Mann. Im Dezember 2014 erreichte er mit seinem Bruder und einem Freund unsere kleine Stadt Kierspe im Sauerland. Mit 17 Jahren hatte er seine Heimat verlassen, weil er und sein Bruder dem syrischen Machthaber Bashir al Assad nicht als Soldaten dienen wollten. Damals sprach er zwar gutes Englisch, aber kein Wort Deutsch. Dennoch hat er im Sommer 2019 sein Abitur gemacht – mit der Note 2,1. Eine bewundernswerte Leistung!

Meine Frau Karin Schmid-Essing und ich engagieren uns seit dem Jugoslawien-Krieg in den 1990er-Jahren in der Flüchtlingshilfe. Erfolgsgeschichten wie die des jungen Syrers wären häufiger, wenn sich mehr Mentoren für diese jungen Leute finden würden.

Mehr als ein Jahr lang habe ich Mohammed und anderen jungen Flüchtlingen in der Schule, deren Leiter ich früher gewesen war, Deutsch beigebracht. Er musste sich an einige neue Fächer gewöhnen. Sozialwissenschaften und Biologie kannte er bis dahin nicht. Obwohl er aus einem sehr fremden Kulturkreis stammt, hat er sich schnell angepasst. Er muss wohl in einer sehr toleranten Familie groß geworden sein.

Die Behörden wollten Mohammed bereits nach wenigen Monaten abschieben, weil er auf der Flucht bereits in Ungarn registriert worden war. Dort erging es ihm und seinem Bruder schlecht. Er erzählte uns von einem »Käfig«, in den man sie gesperrt habe. Das Essen bekamen die Brüder durch Gitterstäbe gereicht – wie in einem Gefängnis. Meine Frau und ich haben eine Anwältin eingeschaltet, und die evangelische Gemeinde hat Mohammed und zwei ebenfalls bedrohten Freunden Kirchenasyl gewährt. Dann, nach zwei Monaten, änderten sich die Gesetze – und Syrer wie Mohammed durf

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