Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2018
Gottverlassen
Findet die katholische Kirche aus ihrer selbstverschuldeten Misere?
Der Inhalt:

Editorial: Liebe Leserin, lieber Leser,

es kommt immer wieder anders, als man denkt. Das erlebte gerade mein Kollege Michael Schrom. Als sich der Theologe vor acht Monaten entschied, mit der Gesellschaft katholischer Publizisten in den Vatikan zu reisen, wollte er vor allem Informationen aus erster Hand erhalten. Kaum im Kirchenstaat angekommen, war von »einem Bürgerkrieg in der Kirche«, von »zerstörerischen Angriffen« die Rede. Schrom fand sich mitten im Kampfgebiet wieder. Offenbar hat das epidemische Ausmaß sexueller Gewalt, begangen durch Kleriker, in Rom immer mehr Hass und Rachegefühle nach oben gespült, die schon lange in der Kurie schwelten. Und so mancher Gesprächspartner sagte, der aktuelle Unmut sei nur die Spitze des Eisbergs. Entsprechend titelte Schrom über die Krise unter den Klerikern: »Gottverlassen«. Seite 26.

Wer nach echtem Christsein sucht, sollte nicht im Vatikan beginnen, sondern bei jenen, die sich vor Ort um Flüchtlinge, um Pflegebedürftige, um die Benachteiligten kümmern. Bei jenen, für die der Dienst am Menschen wichtiger ist als Machtkämpfe und Lehrformeln. Mehr als 22 000 dieser Christen fordern den Papst in unserer Petition auf, endlich Ökumene beim Abendmahl zu praktizieren. Rom würde diese Listen am liebsten ignorieren. Der Nuntius in Berlin, Erzbischof Nikola Eterovic, wollte sie jedenfalls nur per Post entgegennehmen. Doch das haben die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner nicht verdient. Jetzt kommen sie auf anderem Wege zum Papst: Seite 34.

Dass wir in einer Zeit grundlegender Auseinandersetzungen leben, zeigt sich nicht nur in der katholischen Kirche: In den USA planen junge Demokraten, darunter viele Frauen, den Aufstand gegen Donald Trump und seine Republika