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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2016
»Schaut doch mal rein in die Bibel!«
Bodo Ramelow über Christsein und Kapitalismus
Der Inhalt:

Vom Ende des amerikanischen Traums

von Christiane Lemke vom 07.10.2016
Anmerkungen zu einer der ungewöhnlichsten Wahlen in der Geschichte der USA

Die Präsidentschaftswahl 2016 ist eine der ungewöhnlichsten Wahlen in der amerikanischen Geschichte. Aus unterschiedlichen Gründen. Ungewöhnlich ist schon, dass Trump mit seinem pessimistischen Bild in einer ehemals optimistischen Gesellschaft punkten kann. Die ökonomischen Daten zeigen deutliche Verbesserungen: das Wirtschaftswachstum ist seit der Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008 gestiegen, die Arbeitslosigkeit zurückgegangen. Löhne und Einkommen haben leicht zugelegt. Doch die Amerikaner nehmen die Entwicklung anders wahr. Der Gegensatz zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Während aufstrebende Hochtechnologie-Regionen wie Virginia, North Carolina oder Ohio hinzugewonnen haben, sind andere Landstriche, in denen traditionelle Industrie- und Erwerbszweige wie Kohle oder Stahl dominieren, im Abwärtstrend. Diese Ungleichzeitigkeit, die von der Globalisierung vorangetrieben wird, stellt für viele den amerikanischen Traum infrage.

Soziale Ungerechtigkeit ist eigentlich das Thema der Demokraten. Hillary Clinton steht für mehr soziale Gerechtigkeit und begrüßt die Vielschichtigkeit und Dynamik der Gesellschaft. Doch Trump ist zum Sprachrohr all derjenigen geworden, die sich nach Vereinigten Staaten sehnen, in denen es weder politische Offenheit gegenüber Zuwanderern noch die Vielschichtigkeit von Lebensweisen gibt.

Mit seiner pessimistisch-rechtspopulistischen Rhetorik will Trump gezielt diejenigen Amerikaner ansprechen, die sich von der raschen wirtschaftlichen Veränderung an den Rand gedrängt fühlen. Weiße Männer der unteren Schichten und der Mittelschicht, meist in ländlichen Gebieten oder verarmten urbanen Regionen, gehören zum Kern seiner Unterstützer. Dagegen wertet Trump andere Wählergruppen, darunter Afro-Amerikaner, Hispanics, Frauen und Menschen mit Behinderungen, immer wieder ab. Die hohe Zustimmung, die Trump in Umfragen erfährt, beruht daher zum Teil auf der Protesthaltung vieler Wähler und zum anderen Teil auf einer Mobilisierung von bislang Unpolitischen.

Klassische Wählergruppen der Republikaner haben dagegen Vorbehalte gegen Trump: Gut verdienende weiße College-Absolventen lehnen seine Art ab. Die evangelikalen Christen sind verunsichert. Sie sind gegen gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften und wollen den Schwangerschaftsabbruch wieder verbieten. Aber gerade in diesen Fragen hat Donald Trump in der Vergangenheit eher liberale

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