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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2011
Die Fragen der Opfer stellen
Nach dem Missbrauchsskandal: Der Jesuit Klaus Mertes für eine neue Theologie der Sühne
Der Inhalt:

Teuflischer Mais auf Kirchenäckern

von Helge Buttkereit vom 04.10.2011
Der Streit um die Bioenergie ist in den Kirchengemeinden angekommen. Verpachtung wird zur ethischen Frage

Die Gemeinden sollten kein weiteres Kirchenland für den Anbau von Mais zur Energiegewinnung in Biogasanlagen zur Verfügung stellen. Das hat unlängst die Interessengemeinschaft Umweltschutz aus Schleswig von Bischof Gerhard Ulrich gefordert. Die Kirchenvorstände der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche sollten in neuen Pachtverträgen Mais für die Energiegewinnung nur noch mit strengen Auflagen zulassen. Die Kirche als Landeigentümer sei gefordert angesichts von bis zu sechzig Prozent Mais auf den Äckern im äußersten Norden des Landes, schrieben die Umweltschützer.

Ähnliche Fragen führten im Bischöflich Münsterischen Offizialat in Vechta zur Einberufung eines Biogas-Beirats, der Anfang des Jahres seine Ergebnisse in einer Broschüre zusammengefasst hat. »Die Frage war: Ist das Teufelswerk oder zukunftsweisend?«, sagt Beiratsmitglied Bernd Kleyboldt von der Katholischen Akademie Stapelfeld. »In der Summe kam ein ›Ja, aber‹ heraus.« Auch im Oldenburger Land entstehen immer mehr Anlagen, die mit immer mehr Mais »gefüttert« werden. So fragen sich auch Pfarreien bei Neuverpachtungen, ob der künftige Pächter das Land für den Anbau von Mais zur Energiegewinnung einsetzen darf.

Für Kleyboldt sind nur solche Biogasanlagen vertretbar, die den Kriterien der Nachhaltigkeit standhalten. »Viele Anlagen sind einseitig zur Biogasförderung konzipiert, sie nutzen die Wärme nicht.« Für den Anbau von Energiemais hat der Beirat eine Faustformel gefunden: Nur dort, wo noch weniger als dreißig Prozent Ackerfläche für Energie-Mais genutzt werden, sollen Gemeinden ihren Pächtern den Anbau erlauben.

Der EKD-Agrarbeauftragte Clemens Dirscherl nennt drei Kriterien zur Bewertung der Bioenergie. Schöpfungsethisch gehe es darum, dass nicht nur auf eine Pflanze wie den Mais gesetzt werden dürfe. Eine Fruchtfolge sei einzuhalten und gegebenenfalls seien auch Zwischenfrüchte zur Energiegewinnung zu nutzen. Der Einsatz von Reststoffen wie Gülle sei sinnvoll. Sozialethisch stellt sich die Frage, ob der soziale Frieden vor Ort gestört werde, wenn nur ein oder zwei Leute profitierten, die Mehrheit aber unter den veränderten Strukturen leide. Wirtschaftsethisch sei es eine tolle Sache, »wenn im ländlichen Raum zusätzliche Einkommensformen entstehen«.

Musterpach

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