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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2017
Glauben Männer anders?
Das schillernde Verhältnis von Männern zur Religion
Der Inhalt:

»Wir sind im Krieg«

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 22.09.2017
Eindrücke von einer Wahlkampfveranstaltung der AfD in Hofheim am Taunus

Wie ist sie wirklich, die AfD – diese Partei, die mit ihren populistischen Thesen die Gesellschaft spaltet? Was für Leute sind es, die mit ihr sympathisieren? Mit diesen Fragen im Hinterkopf fahre ich zu einer Wahlkampfveranstaltung nach Hofheim. Mein erster Eindruck: Ganz normale Leute hier. Die Stimmung ist gelöst, jeder wird per Handschlag begrüßt. »Was hattest du denn gedacht?«, frage ich mich selbst. Klar, dass keine Nazis in Springerstiefeln da sind. Mein zweiter Gedanke: Was zum Teufel machen die Linken da? Vor der Stadthalle protestieren über hundert Menschen vom Bündnis Main-Taunus: Deine Stimme gegen Rechts. Wer die Wahlkampfveranstaltung besuchen will, muss durch ein Spalier der Demonstranten, wird ausgebuht und ausgepfiffen. »Schämt euch!«, rufen sie einer Mutter entgegen, die mit ihren zwei Kindern im Teenageralter gekommen ist. Ich bin froh, dass ich den anderen Eingang genommen habe. Und denke mir: Wer hier durchmuss, entwickelt wohl unweigerlich ein gewisses Solidaritätsgefühl mit der AfD. Später werden deren Spitzenkandidaten von dem »hasserfüllten Mob vor der Tür« sprechen und sich in der Opferrolle wohlfühlen.

Ich bin in der Absicht gekommen, so offen wie möglich zu sein. Das fällt mir schwer. Ich weiß schließlich, dass AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland die Integrationsministerin Aydan Özoguz nach Anatolien »entsorgen« will. Und ich erinnere mich daran, dass Beatrix von Storch einst sagte, zur Not müsse an der Grenze auf Flüchtlinge geschossen werden. Auch auf Frauen und Kinder. Aber ich will mir selbst ein Bild machen. Auch von denen, die hier sitzen. Etwa dreihundert Menschen sind das, alte Herren mit Gehhilfe genauso wie junge Mädchen mit Pferdeschwanz. Gutbürgerliche Mittelschicht.

Als eine der Ersten tritt Mariana Harder-Kühnel ans Rednerpult, Rechtsanwältin und hessische AfD-Spitzenkandidatin. Sie spricht von der »Schneise der Verwüstung«, die Angela Merkel hinterlassen habe, von »Anschlägen, Messerattacken und sexuellen Übergriffen«, begangen von Migranten, und davon, dass es in Deutschland kaum noch Deutsche gäbe. Mir läuft es kalt den Rücken herunter. Das Publikum klatscht.

Dann betritt der Ehrengast die Bühne: Václav Klaus, ehemaliger Präsident Tschechiens. »Man kann heute ohne Übertreibung von einem Krieg in Europa sprechen, und Deutschland ist das Schlachtfeld«, sagt Klaus z

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