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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2016
Ein letztes Fest?
Der Protestantismus feiert die Reformation
Der Inhalt:

Rückzug der Filmkunst

Seltsam entrückt: Selten wirkte das Filmfestival in Venedig so weit entfernt von den aktuellen Problemen der Welt

Venedig beim Filmfestival, das sind Cocktailkleider zu goldenen Highheels und Fingernägel in kosmischen Farben – in diesem Jahr allerdings auch die schwarzen Uniformen schwerbewaffneter Carabinieri und Securityleute. Das Szenario der Bedrohung einer terroristischen Gefahr ist fühlbar auf der Strandpromenade, nicht aber auf der Leinwand. Hier wird der Filmwettbewerb mit einem rasanten Musical eröffnet (»La La Land« von Damien Chazelle): eine Hommage an Hollywood, durchgestylt im Retrolook.

Es stehen viele weltberühmte Namen auf der Gästeliste der 73. Biennale: Wim Wenders, der koreanische Regisseur Kim Ki-Duk und Emir Kusturica. Wer aber eine intellektuelle und künstlerische Auseinandersetzung mit den aktuellen Problemen von Terrorismus, Hass, Gewalt, Flucht und Krieg sucht, wird enttäuscht. Es ist, als antworte die Filmkunst mit einem Rückzug auf existenzielle Grundfragen.

Was ist der Mensch im Kosmos? In der Natur? Was macht ihn aus? Es wird eskapistisch, bisweilen esoterisch in Venedig. In einer langatmigen Dokumentation feiert »Spira mirabilis« von Massimo D’Anolfi und Martina Parenti die Suche nach Unsterblichkeit in der Wissenschaft, der Kunst und der Religion. Die Bilder wiederholen sich buchstäblich in »Voyage of Time«, dem Beitrag des amerikanischen Filmpoeten Terrence Malick. Dessen grandios bebilderte Zeitreise durch die Wunder der großen »Mutter« Natur lässt menschliches Elend geradezu nichtig erscheinen.

Wie Frieden werden kann nach einem barbarischen Krieg, fragt François Ozon in der berührenden deutsch-französischen Produktion »Frantz« über den Ersten Weltkrieg. Der russische Regisseur Andrei Konchalovsky (Silberner Löwe für die beste Regie) bemüht das Letzte Geri