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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2016
Ein letztes Fest?
Der Protestantismus feiert die Reformation
Der Inhalt:

Die nackte Gier im Blick

Der Dokumentarfilm »Stadt als Beute« zeigt, was entfesselte Marktwirtschaft bedeutet – zum Beispiel in Berlin

Man hat selten Gelegenheit, Raubtiere auf der Jagd zu begleiten. Andreas Wilcke macht es möglich. Für seine Dokumentation »Stadt als Beute« hat er Makler, Investoren und Immobilienkäufer auf ihren Streifzügen durch Berlin beobachtet. Mehrere Jahre lang ist er den Renditejägern mit der Geduld eines Naturfotografen gefolgt und hat so einen mitreißenden Film geschaffen, der den Begriff der Gentrifizierung mit Leben füllt.

Die Kamera ist immer dabei: Wenn Investoren gutgelaunt durch Wohnviertel streifen und Anlageobjekte taxieren. Wenn ein künftiger Eigentümer eine Wohnung besichtigt und die derzeitigen Mieter ihn wohl oder übel durch ihre Privaträume führen müssen. Wenn ein Makler feixend berichtet, der Kunde aus London habe verblüfft gefragt, wieso eine Wohnung in Berlin so billig sei: »Ist sie radioaktiv verstrahlt?« Wenn smarte Berater vorrechnen, wie leicht es ist, mit Eigentumswohnungen Geld zu verdienen – Bad erneuern, Laminat auf den Fußboden und weiße Farbe an die Wände, schon lasse sich die Kaltmiete von fünf auf acht Euro pro Quadratmeter erhöhen. Und: »Der Mieter freut sich«, ist er doch von München oder Hamburg ganz andere Preise gewohnt.

Berlin dieser Tage: Das ist für Menschen, die genügend Kapital mitbringen, offensichtlich eine Orgie der Geldvermehrung. Makler preisen hier ihre Objekte an wie sonst Verkäufer den Aufschnitt an der Wursttheke. Darf’s ein bisschen mehr sein? Warum nicht gleich zwei Wohnungen nehmen, wenn das Geld doch reicht?

Moralische Kommentare aus dem Off seien nicht seine Sache, sagt Wilcke in einem Interview: »Ich will, dass die Zwiebel Schicht um Schicht gepellt wird«, dass sich die Wahrheit dem geduldigen Blick selbst offenbart. Und das geling