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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2016
Ein letztes Fest?
Der Protestantismus feiert die Reformation
Der Inhalt:

Im Wettlauf mit der Wüste

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 23.09.2016
Eine »Mauer aus Bäumen« soll in Afrika die Wüste aufhalten – ein ehrgeiziges Megaprojekt von Afrikanern für Afrikaner. Nach neun Jahren sind erste Erfolge sichtbar

Das Bild ist eindrucksvoll: Eine Mauer aus Bäumen quer durch Afrika, ein 8000 Kilometer langer Grünstreifen. Vom Senegal im Westen bis Dschibuti im Osten soll sie reichen, die »Great Green Wall«. 2007 wurde das milliardenschwere Projekt unter dem Dach der Afrikanischen Union ins Leben gerufen. Inzwischen ist klar: Die Mauer ist eigentlich gar keine. Sie ist eine Metapher, wie Elvis Paul Tangem erklärt, Projektkoordinator der Afrikanischen Union. Man habe die Kritik aus der Anfangsphase ernst genommen und erkannt, dass ein willkürlich gezogener Baumstreifen nicht viel bringe. Den Terminus »Mauer aus Bäumen« habe man jedoch beibehalten – ganz einfach, weil das eindrucksvoller klinge, als wenn von einem »Mosaik aus lokalen Initiativen zur Wiederaufforstung« die Rede sei. Ein gigantisches Klimaschutzprojekt aber bleibt die Initiative. Elf afrikanische Staaten sind beteiligt; zählt man die nordafrikanischen Länder mit, die sich in geringerem Maße ebenfalls engagieren, sind es zwanzig. Es ist das Vorzeigeprojekt der Afrikanischen Union, gefördert unter anderem aus Mitteln der Vereinten Nationen, der Weltbank und der Europäischen Union.

Die Projekte sind in den einzelnen Ländern unterschiedlich gestaltet: Im Senegal werden Karitébäume angepflanzt. Aus ihren Nüssen wird Shea-Butter gewonnen, die in der Küche Verwendung findet und ein beliebtes Hautpflegeprodukt ist. Kosmetikunternehmen wie L‘Oréal oder L’Occitane kooperieren dabei mit dem senegalesischen »Ableger« der Great-Green-Wall-Initiative. In Nigeria wurden in mehreren Orten Gemeindegärten angelegt, die von den Frauen bewirtschaftet werden, unterstützt durch Mikrokredite. »Sie bauen dort Auberginen, Kohl und Wassermelonen an und verkaufen die Ernte auf den lokalen Märkten«, erklärt Tangem. In Gambia, wo große Buschfeuer immer wieder Pflanzungen verwüsten, besuchen viele Bewohner Schulungen zu »Feuermanagement«.

Den meisten Projekten gemein ist, dass vor allem lokale Pflanzensorten angebaut werden, die in extremer Trockenheit gedeihen und kaum Wasser benötigen, zum Beispiel Tamarindenbäume und Akazien. Aus deren Pflanzensaft wird Gummiarabikum gewonnen, das zu Medikamenten weiterverarbeitet wird, zur Herstellung von Aquarellfarben dient und in Europa vor allem als Zusatzstoff für Lebensmittel bekannt is

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