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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2016
Ein letztes Fest?
Der Protestantismus feiert die Reformation
Der Inhalt:

SOZIALPROTOKOLL: »Ich wollte das«

Catrin Hack (55) nimmt seit mehr als vierzig Jahren Drogen. Sie liebt das Gefühl, keine Angst zu haben und wie in Watte gepackt zu sein

Es gibt so viele Stempel, die Menschen wie ich auf der Stirne tragen. Sucht habe etwas mit unerfüllten Sehnsüchten zu tun. Oder Süchtige hätten irgendwie immer eine schlechte Kindheit gehabt. Oder Junkies taugten nichts, könnten nix, hätten nix. Das passt auf mich nicht. Ich hatte eine glückliche Kindheit. Mein Vater war Maschinenbauingenieur und viel unterwegs. Uns ging es gut, und geschlagen wurde ich auch nie. Ich habe es wohl einfach gemocht. Den Geruch, der beim Aufkochen von Heroin entsteht – wie Parfüm. Das Gefühl, wenn mein Körper sich leicht und wie in Watte gepackt anfühlt. In diesen Momenten konnte mir keiner was.

Nun bin ich 55 Jahre alt und bekomme in der betreuten stationären Wohneinrichtung Lüsa in Unna – ein Landesmodellprojekt der Wiedereingliederungshilfe – meinen Drogenersatz. Hier lebe ich seit Dezember 2015 zusammen mit elf anderen chronisch drogenabhängigen Menschen. Wenn jemand vor meinem Einzug hier nur »böses Mädchen« zu mir gesagt hat, bin ich weinend zusammengebrochen. Damals nahm ich dreißig bis vierzig Diazepam – ein Psychopharmakon – am Tag. Aber immerhin hatte ich noch die Kraft, mich selbst um einen Platz hier zu bemühen.

Mit 14 Jahren habe ich das erste Mal gekifft. Irgendwann hing ich dann an der Nadel: Heroin. Eines Morgens wurde ich wach – mit Triefnase, Durchfall und schmerzenden Knochen. »Ich hab mir was eingefangen«, klagte ich meinem Kumpel. Der lachte: »Du hast einen Silberrücken«, sagte er. »Ach so«, meinte ich, »Entzugserscheinungen. Dann ist ja alles klar.« Sorgen machte ich mir nicht. Klauen musste ich für meine Sucht auch nicht. Für fünfzig Mark wurden damals vier Leute high. Geld gab es in meiner Fami