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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2016
Ein letztes Fest?
Der Protestantismus feiert die Reformation
Der Inhalt:

Splitter im Herzen

von Stephan Bickhardt vom 23.09.2016
Wie junge Menschen vom Zentrum für Gewaltfreiheit in Sarajewo und Belgrad für Versöhnung streiten. Ein Besuch

Ich habe Frieden gefunden im Glauben«, sagt Adnan Hasanbegovic. Der Weg dorthin war für ihn weit. Denn er war Soldat, kämpfte auf der bosnischen Seite. In Sarajewos Stadtzentrum zeigt er uns das Haus, genauer den Keller, von dem aus er die Frontlinie verteidigt hat. Monatelang. Heute ist der ehemalige Soldat Mitarbeiter des Zentrums für gewaltfreie Aktion (Centre for Nonviolent Action, CNA) mit Sitz in im serbischen Belgrad und Sarajewo in Bosnien-Herzegowina. Das ist eine der renommiertesten Friedensinitiativen im ehemaligen Jugoslawien. Wir treffen den gläubigen Moslem auf unserer Reise in die einst geschundene Kriegsregion. Eingeladen zu der Studienfahrt hatte die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Das war naheliegend, denn gerade in Bosnien-Herzegowina und Serbien ist das Thema Aufarbeitung und Versöhnung wichtig. Vielleicht, weil viele Menschen hier noch so weit davon entfernt sind.

Der Bosnienkrieg der Jahre 1992 bis 1995 hat tiefe Wunden gerissen. Verheilt sind sie längst nicht. Im Gegenteil. In den vielen Gesprächen auf unserer Reise ist Hass zu spüren. Wir erfahren schnell: Der Krieg geht weiter als Krieg der Worte. Adnan hält dagegen. »Mit offenem Herzen begegne ich meinen ehemaligen Feinden«, sagt er. Sein Hauptaugenmerk liegt wie auch das seiner Mitstreiterinnen und Mitstreiter von CNA auf Begegnungen zwischen Menschen. Die sind nicht immer leicht zu organisieren und machen große Mühe.

So arbeiten sie zum Beispiel mit zahlreichen Kriegsveteranenverbänden zusammen. Sie initiieren den Besuch von Kriegsgräbern durch ehemalige Soldaten bei den früheren Feinden. »Wer mit trauert um die Opfer auf der anderen Seite, beginnt mit der Versöhnung«, sagt Adnan. Seine gewaltfreie Aktion organisiert Begegnungstage für die, die sich einst an der Frontlinie gegenüberstanden. Der Krieg und alte Grenzen trennten sie. Allein im Stadtgebiet von Sarajewo gab es mehr als 10 000 Tote, darunter 1600 Kinder.

Das Zentrum für gewaltfreie Aktion erforscht sowohl in Bosnien-Herzegowina als auch in Serbien Orte des Grauens, hält fest, dokumentiert, wo Lager waren, Menschen massenweise hingerichtet wurden, in Wäldern und sogar Höhlen vergraben.

Acht Personen gehören zum Team des Zentrums für gewaltfreie Aktion. Vier Frauen und vier Männer. Es ist im ehemaligen Jugoslawien immer noch selte

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