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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2016
Ein letztes Fest?
Der Protestantismus feiert die Reformation
Der Inhalt:

Im Land des Tötens

von Thomas Seiterich vom 23.09.2016
Die Philippinen, die größte christlich geprägte Nation Asiens, versinken in Unrecht, sozialem Elend und Gewalt

Papst, du Hurensohn«. Das sagte Rodrigo Duterte, der philippinische Wahlsieger, im November. US-Präsident Barack Obama sei ebenso ein »son of a bitch, ein Hurensohn«, polterte er im August. Den US-Botschafter in Manila hatte er zuvor gar als »schwulen Hurensohn« beleidigt. Duterte, der von Millionen Katholiken im christlichsten Land Asiens mit weitem Abstand vor dem liberalen Mitbewerber gewählte Staatspräsident, sorgte am 30. Juni für einen unerhörten Amtsantritt: »Rody« Duterte hielt in einem Slum in Manila eine öffentliche Rede, in der er zur straffreien Ermordung von Drogensüchtigen, Dealern und Kriminellen aufrief. Seither erschossen Polizei, Militärs und Lynch-Kommandos weit über 2000 Menschen.

Der Staatspräsident tritt auf als aggressiver Macho. Doch der vulgäre Kraftmeier, Altbürgermeister der Millionenstadt Davao auf der islamisch geprägten Südinsel Mindanao, ist kein Politclown. Er bringt das Kriegsrecht ins Spiel. Damit hatte der 1986 gestürzte Diktator Marcos jahrzehntelang über die Philippinen geherrscht. Wie lange gibt es noch Demokratie?, fragen sich nicht bloß Menschenrechtler.

In der Gegenwart erliegen verunsicherte Nationen und Bürger der autoritären Versuchung und wählen Polit-Machos: Putin, Maduro in Venezuela, Orban in Ungarn, Ali Bongo im Ölstaat Gabun – die Liste lässt sich verlängern. Der »katholische Nichtkirchgänger« Duterte hatte als Wahlkämpfer seinen »war on drugs«, den Krieg gegen Drogen, angekündigt. Und er wurde genau deshalb gewählt. O-Ton Duterte: »Vergesst die Menschenrechte! Wenn ich Präsident bin, werde ich dasselbe machen wie als Bürgermeister in Davao. Ihr Drogenhändler, Straßenräuber und Nichtstuer, haut ab! Denn ich werde euch umbringen. Ich werde euch alle in die Bucht von Manila werfen und an die Fische verfüttern.«

Wie verzweifelt müssen Millionen christlicher Filipinos sein, um so jemanden zu wählen? Ihre Nation bleibt immer weiter zurück hinter den Tigerstaaten Südostasiens. Denn keiner der reichen Präsidenten in Manila überwand die fundamentalen Ungerechtigkeiten zwischen der elend armen Land- und Slum-Bevölkerung und den halbfeudalen Großgrundbesitzern und reichen Clans: weder die fromme, erzkatholische Corazon Aquino, die nach der gewaltfreien Rosenkranzrevolution 1987 regierte, noch ihr Sohn Benigno, Präsident von 2010 bis 2016. Weder der protestantische General und Linken-Fresser Fidel

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