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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2016
Ein letztes Fest?
Der Protestantismus feiert die Reformation
Der Inhalt:

Aufgefallen: Ihr Schmerz weicht nicht

Nadia Murad: Eine junge Jesidin berichtet über ihre Massenvergewaltigung durch den IS. Sie kämpft für die von Islamterroristen verschleppten Jesidinnen

Nadia Murad lebt zu ihrem Schutz an einem verborgenen Ort in Südwestdeutschland. Von dort reist die 22-Jährige zu den Staats- und Regierungschefs der Welt. Sie erzählt packend von dem Leid der Jesidinnen, die von islamistischen Terroristen des IS verschleppt wurden und derzeit als Sex-Sklavinnen missbraucht werden. Als Nadia Murad vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen berichtet, wie sie nach einem Fluchtversuch von Machos massenvergewaltigt wurde und wie man sie monatelang als Sex-Sklavin quälte, herrscht bei den Politikprofis im UN-Hauptquartier in New York Wortlosigkeit und blankes Entsetzen. Eine tieftraurige Frau: »Solange weiterhin 3500 Jesidinnen vom IS versklavt sind, gibt es keine Erlösung.« Sie sagt über sich : »Der Schmerz weicht nicht.«

Die aufwendige Traumatherapie, die ihr Baden-Württemberg in dem von Ministerpräsident Winfried Kretschmann durchgesetzten Sonderprogramm für tausend Jesidinnen anbot (und weiter anbietet), hat sie nach zwei Sitzungen abgebrochen. Sie könne sich nicht um sich selbst kümmern, solange ihr Volk und ihre Familie leiden. Selbst jesidische Politiker, die ihre vielen Reisen finanzieren und koordinieren, warnen: Sie solle auch mit einem Therapeuten über ihr Leid sprechen, nicht bloß mit Politikern und Medienmachern. Doch Murad weigert sich. Andere Jesidinnen hätten sich von Brücken gestürzt oder die Pulsadern aufgeschnitten, um den Vergewaltigungen zu entgehen. Doch sie könne jetzt etwas tun.

Die schmale Frau ist von dem, was ihr angetan wurde, gezeichnet. Dabei war sie vor der Verschleppung 2014 aus dem nordirakischen Heimatdorf Kocho, bei der ihre Mutter und sechs Brüder getötet wurden, eine fröhliche junge Frau, die sich schminkt