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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2018
Angst
In der Gesellschaft rumort es: Ein Gefühl wird politisch
Der Inhalt:

Aufgefallen: Der Rettungsschwimmer

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 07.09.2018
Benoît Lecomte will als erster Mensch schwimmend den Pazifik durchqueren – und auf die Plastikverschmutzung aufmerksam machen

Als Ben Lecomte vor zwanzig Jahren an Land ging, sagte er: »Nie wieder!« Da hatte er gerade in 73 Tagen den Atlantik durchschwommen. Heute schwimmt der gebürtige Franzose doch wieder – und strebt einen Weltrekord an: Er möchte von Tokio bis San Francisco schwimmen. Knapp 9000 Kilometer, sechs bis neun Monate wird es wohl dauern, schätzt der 51-Jährige.

Sieben Jahre lang hat Lecomte sein Abenteuer vorbereitet und geplant, unterstützt wird er dabei von einer ganzen Reihe wissenschaftlicher Institute. Denn Lecomte schwimmt nicht, um im Guinnessbuch der Rekorde aufzutauchen. »Ich schwimme seit vierzig Jahren, und überall sehe ich immer mehr Plastik«, erklärt er. »Soll ich mich zurücklehnen und mich nicht darum kümmern? Oder soll ich meine Leidenschaft nutzen, um darauf aufmerksam zu machen?« Der Familienvater hat sich für Letzteres entschieden.

Am 5. Juni ist er in Japan gestartet. »Der Abschied von meiner Frau und meinen beiden Kindern war hart«, schreibt er, »wir haben nicht viele Worte gewechselt.« Seitdem ist er unterwegs, wenn alles glatt läuft, schwimmt er etwa acht Stunden täglich. »Das Härteste ist die Monotonie«, sagt Lecomte. »Jeden Tag überlege ich mir genau, womit ich mich in Gedanken beschäftigen will. Das ist das Wichtigste. Den Körper muss ich dann auf ›Autopilot‹ stellen.«

Ein achtköpfiges Team begleitet ihn auf einem Schiff; zu den Crewmitgliedern zählt auch ein Neffe Lecomtes. Am Abend geht der Extremsportler an Deck, um zu essen und zu schlafen. Am nächsten Morgen zieht er seinen Neoprenanzug an, die Taucherbrille und die Flossen und schwimmt exakt dort weiter, wo er tags zuvor aufgehört hat.

Eigentlich wollte Lecomte, der in Paris geboren und US-amerikanischer Staatsbürger ist, im Dezember in San Francisco sein. Doch zwei schwere Taifune zwangen ihn und das Team umzukehren und einige Tage in Japan zu verbringen. Inzwischen schwimmt er wieder und schreibt davon in Online-Beiträgen, er berichtet von schmerzenden Schultern und neugierigen Haien, von einem Fisch, der ihn in die Nase biss, und Albatrossen, die sich zu ihm gesellten. Er erzählt von Infektionen am Ohr und Begegnungen mit Walen, von riesigen Fischernetzen, in denen Tiere qualvoll verenden – und natürlich von Plastik. »Tag 26: In einer gelben, umhertreibenden Plastikbox hat sich eine Fischfamilie angesiedelt«, schreibt er in seinem öffent

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