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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2015
Höchste Zeit
Klimakrise: Die Politik, der Papst und die Menschheit. Worauf es jetzt ankommt
Der Inhalt:

Nicht wegducken

von Michael Schrom vom 11.09.2015
Wie kann Politik für unangenehme Reformen werben? Franziska Brantner über die Erfahrungen der Grünen

Publik Forum: Immer wenn die Grünen Vorschläge zum Umweltschutz machen, die wehtun, werden sie vom Wähler bestraft. Fünf DM pro Liter Benzin, weniger Urlaubsflüge oder ein Veggie-Day ... Kann man Mehrheiten für Verhaltensänderungen gewinnen, wenn diese Verzicht bedeuten?

Brantner: Ich glaube, dass man über den individuellen Konsum viel Gutes bewirken kann. Aber man darf diesen Aspekt nicht überstrapazieren. Die Politik sollte nicht bevormunden und sagen: Das ist alles Sache der Verbraucher. Beispiel Veggie-Day: Ich halte es für notwendig, dass wir über unseren hohen Fleischkonsum und dessen Folgen für das Klima nachdenken.

Was ist die Alternative zum Moral-Appell?

Brantner: Den Kampf mit der Fleischindustrie aufzunehmen, so strenge Gesetze für Aufzucht und Mast von Tieren zu schaffen, dass Massentierhaltung nicht mehr möglich ist. Damit würde sich der Fleischkonsum automatisch reduzieren. Es ist auch sinnvoller, eine CO2-Abgabe oder eine Kerosinsteuer einzuführen, als dem Bürger das Gefühl zu geben, wir wollen individuelle Freiheitsrechte beschränken.

Die Wähler würden es Ihnen trotzdem anlasten, wenn durch eine Kerosinsteuer Billigflüge teurer werden.

Brantner: Ich denke, die Bürger sind für eine gute Erklärung einer guten Politik durchaus empfänglich. Wenn man sich nicht mehr traut zu sagen, was eigentlich notwendig wäre, braucht man nicht in die Politik zu gehen.

Teilen Sie die Ansicht des Papstes, dass es eine ökologische Schuld der Länder des Nordens gegenüber denen des Südens gibt?

Brantner: Unbedingt. Es ist völlig berechtigt, dass die südlichen Länder die Länder des Nordens in die Pflicht nehmen. Wichtiger noch als die historische Schuld ist die Gegenwart. Wir müssen Wege finden, dass sich diese Entwicklung nicht immer weiter fortsetzt. Durch unseren Fleischkonsum zum Beispiel wächst in anderen Ländern der Druck, Regenwälder zu roden, um Weideflächen oder Äcker für Futter zu gewinnen.

Der Papst fordert, die Atmosphäre unter den Schutz der Völkergemeinschaft zu stellen. Wäre eine solche Meta-Behörde effektiver als die Zusammenarbeit der Regierungen?

Brantner: Die Idee der globalen Gemeinschaf

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