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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2015
Höchste Zeit
Klimakrise: Die Politik, der Papst und die Menschheit. Worauf es jetzt ankommt
Der Inhalt:

Das Prinzip Klingelbeutel

von Bernhard Pötter vom 11.09.2015
Was von der Weltklimakonferenz in Paris zu erwarten ist

Wenn die Klimakonferenz in Paris kein »starkes Abkommen bringt, wäre das eine Katastrophe«, sagte der französische Staatspräsident François Hollande – wohl auch, um den Druck auf seine Amtskollegen zu erhöhen. Paris soll nicht scheitern. Aber »Erfolg« ist eine Frage der Interpretation. An einer globalen Vereinbarung wird schon seit Monaten gefeilt, alle wichtigen Länder haben ein Interesse daran. Die Kernpunkte sind bereits relativ klar. Es wird kein detaillierter Vertrag, in dem sich die 194 UN-Staaten völkerrechtlich dazu verpflichten, ihre Treibhausgase zu reduzieren, den Wald zu schützen und armen Ländern zu helfen. In Paris gilt das Prinzip Klingelbeutel: Jeder tut hinein, was er möchte.

So wird es auch nur einen verbindlichen Kern geben: Alle Länder erklären, die Erwärmung nicht über zwei Grad Celsius bis 2100 eskalieren lassen zu wollen. Sie werden sich darauf einigen, wie Emissionen berechnet werden, und eventuell auch, wie das Geld für den Klimaschutz – die Rede ist von hundert Milliarden Dollar jährlich ab 2020 – aufzubringen ist. Es wird Hilfe geben beim Aufbau von erneuerbaren Energien und ein Versicherungssystem, das Schäden aus Ernteausfällen oder Sturmfluten lindert. Wie viel CO2 die Länder bis wann einsparen, hängt von ihren freiwilligen Plänen ab, die alle bis Paris vorlegen sollen.

Schon jetzt ist klar: Für das Zwei-Grad-Ziel reicht das nicht. Die wahrscheinlichen Folgen wären langfristig das Abschmelzen der Arktis, der Verlust des Regenwaldes, Gefährdung weiter Küstenstreifen, Ausdehnung von Stürmen, Krankheiten und Dürren, Bedrohung von Ökosystemen, der Verlust der Gletscher sowie der Wasserversorgung ihrer Umgebung.

Für einen echten Erfolg müssten alle Länder strengere Verpflichtungen akzeptieren. Die Unterscheidung in Industrie- und Entwicklungsländer gehört auf den Müllhaufen der Geschichte. Es müsste einen genauen, regelmäßig überprüften Fahrplan für die Verringerung der Emissionen geben. Auch fehlt ein transparenter Plan, woher die hundert Milliarden Dollar kommen sollen und wohin sie fließen; es braucht einen globalen Preis für Kohlenstoff, der in einen globalen Emissionshandel führt; vor allem aber einen Beschluss, bis etwa 2050 und nicht erst bis 2100 aus den dreckigen Energien auszusteigen.

Immerhin: Die Kohlenstoff-Supermächte China, USA und EU wollen ein Abkommen. Die USA und China spüren die Umweltprobleme a

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