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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2012
Verloren im Vatikan
Ein Reformkonzil wird 50
Der Inhalt:

Don Camillo im Prenzlauer Berg

von Bettina Röder vom 07.09.2012
Berlin hat ein evangelisches Stadtkloster. Schweizer haben es für einen Euro gekauft. Doch dann kam plötzlich der Reichtum. Ein Besuch

Das große Tor steht offen, draußen donnert der Verkehr vorbei. Ein paar Schritte noch, und man ist im Kloster drin. In einem evangelischen Kloster mitten in Berlin, im Arbeiterbezirk Prenzlauer Berg. Dort, wo einst der tiefste Osten war. Im Hof stehen Fahrräder und rote Holzkübel mit Farn. Die Backsteinfassaden schmücken Heilige, in Sandstein gemeißelt. Mülltonnen stehen da. Der hohe Backsteinturm draußen auf der Straße ist weithin sichtbar, die Fassade wie so oft in Berlin in die Häuserfront eingepasst. Wer durch den runden Torbogen läuft, kommt zur Kirche auf dem Hof. Die Türen sind weit geöffnet. Eine zierliche junge Frau mit roten Haaren und einer Zigarette in der Hand kommt von der Straße herein, bleibt an den Schaukästen stehen. »Kann ick hier ooch rein?«, fragt sie, auch ihre grünen, unruhigen Augen fragen. Dann steuert sie auf die Kirche zu. »Einfach, weil ick mal allein sein will, Ruhe brauche«, ruft sie noch.

Ruhe strahlt auch Georg Schubert aus. Der 57-Jährige ist Schweizer aus dem idyllischen Montmirail am Neuenburger See. Seine Bewegungen sind bedächtig, die blauen Augen schauen wach und ein wenig spitzbübisch. »Möchten Sie Kaffee trinken?«, fragt er im feinsten Schweizerdeutsch. »Das macht ja zum Glück die Maschine, aber die ist etwas langsam.« Georg Schubert, im feinen blau-weiß gestreiften Hemd, sitzt im Kaffeeraum. Der liegt im ersten Stock des Backsteingebäudes. Abgewetztes braunes Linoleum führt die Treppen mit dem geschwungen Holzgeländer hinauf. Der Raum ist hell und freundlich, Blumen stehen auf den Tischen. Hier oben spielt sich das gemeinsame Leben der Familien Schubert und Dürr wie auch einiger Singles ab. Sie leben hier auf dem Gelände der Berliner Segenskirche in einer Kommunität, das heißt in verbindlicher Gemeinschaft. Sie beten und essen gemeinsam, jeder hat seine feste Aufgabe im Haus: die Betreuung des Gästehauses im linken Seitenflügel mit sieben Ferienwohnungen, die Pflege des Klostergartens, der durch eine kleine Tür neben dem Altar zu erreichen ist. Oder die Zuständigkeit für die Kirche selbst, in der jeder willkommen ist.

Mit dem Einzug der Kommunität aus der Schweiz vor fünf Jahren im August 2007 wurde das evangelische Kloster ins Leben gerufen. Hier werden in besonderer Weise Ruhe und Spiritualität angeboten. Wer mag, kann eine Zeit lang hier mitleben, mit dem Tagesablauf der Kommunität. Es gibt auch Glaubenskurse, Abendandachten in der Kirche. »Unse

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