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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2012
Verloren im Vatikan
Ein Reformkonzil wird 50
Der Inhalt:

Dialog mit Freund und Feind

von Knut Henkel vom 07.09.2012
Die Stimme des Wandels in Kuba verstummt. Eine Erinnerung an den christlichen Menschenrechtler Oswaldo Payá

Ein Mord? Oder ein tragischer Autounfall? Oswaldo Payá, Kubas international populärster Dissident, ist tot. Er galt als Mann des Dialoges. Payá war ein überzeugter und aktiver Katholik, der die jüngste Annäherung von Kirche und Regierung in Kuba scharf kritisierte. Peñón 221 lautet die Adresse in Havannas Stadtteil Diez de Octubre. In dem Altbau ist Oswaldo Payá aufgewachsen. Hier lebte er mit seiner Familie, und hier empfing er im kleinen Salon im Erdgeschoss die Besucher zum Plausch im Schaukelstuhl. Besucher hat der Dissident viele empfangen, und ausländische Gäste hat er stets darauf aufmerksam gemacht, dass sein Haus rund um die Uhr observiert wird. »Da oben, in dem Apartment gegenüber, sitzt die Staatssicherheit, und sicherlich haben sie schon weitergegeben, dass ich jemanden aus dem Ausland hier habe«, sagte er dann lächelnd und schob die Gardine ein Stück zur Seite.

Oswaldo Payá zählte zu den bevorzugten Gesprächspartnern von ausländischen Politikern und Journalisten in Havanna. Das hatte seinen Grund, denn Kubas bekanntester Bürgerrechtler lebte kein isoliertes Leben, sondern arbeitete als Ingenieur im Staatsdienst. Er reparierte medizinische Analysegeräte und war immer für den Dialog zu haben – bei der Arbeit und nach Feierabend. Dem mittelgroßen Mann mit dem welligen, von grauen Strähnen durchzogenen Haar ging es um die Zukunft Kubas. Die wollte er in den Händen aller Kubaner sehen: »Mir geht es nicht darum, politische Blöcke zu formieren, sondern darum, dass die Bürger für ihre Rechte eintreten. Die Kubaner sollen die Protagonisten des Wandels sein, nicht einige wenige Politiker«, erklärte der Sohn eines strenggläubigen Ehepaars. Im Februar 1952 wurde Oswaldo als fünftes von sieben Kindern geboren und wie seine Geschwister an einer katholischen Schule angemeldet – bis diese von der revolutionären Regierung in Havanna geschlossen wurde. Für die Familie Payá kein Grund, die Kinder den Jugendorganisationen der Kommunistischen Partei Kubas (PCC) anzuvertrauen, sie vertrauten den Jugendgruppen der Kirche.

Als Oswaldo Payá schließlich als 16-Jähriger zur Armee kam, weigerte er sich, einen Transport politischer Gefangener zu begleiten. Diese Befehlsverweigerung wurde mit drei Jahren Zwangsarbeit auf der heutigen »Insel der Jugend« geahndet. Payá selbst empfand das Urteil hingegen als Strafe für seine

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