Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2018
Hitze-Schock
Wie Landwirte und Verbraucher jetzt umsteuern müssen
Der Inhalt:

Ausverkauf im Paradies

von Andrea Teupke vom 24.08.2018
Weltweit wächst der Tourismus – und damit nehmen auch die Umweltschäden zu. Doch wie lassen sich Fernweh und Reiselust sozial- und umweltverträglich steuern?

Die Golden-Gate-Bridge im Nieselregen. Der erste Blick auf Venedig, wenn die Türme über der Lagune zu schweben scheinen. Der Gletschersee Jökulsárlón, eine verzauberte Welt aus grünem Eis, schwarzem Sand und grauem Meer an der Südküste Islands: Ja, es gibt Orte, die so schön sind, dass man es kaum aushält. Kein Foto kann diese Erfahrung ersetzen: den kühlen Hauch des Gletschers auf der Haut, das Geschrei der Möwen, der Geruch der See. Und ja, Reisen bildet. Kein Schulfach ersetzt die Begegnung mit anderen Kulturen, das Eintauchen in fremde Sprachen. Wer gereist ist, wirft einen anderen Blick auf die Heimat, sieht sich und das Eigene neu.

Lange Zeit war all dies ein Privileg der Reichen. Heute kostet der Wochenendtrip nach Barcelona oder Amsterdam mit einem Billigflieger kaum mehr als eine S-Bahnfahrt ins nächstgelegene Mittelgebirge. Stiegen 1997 rund 62 Millionen Passagiere in Deutschland in ein Flugzeug, so sind es heute fast doppelt so viele: 119 Millionen Menschen pro Jahr.

Reisen ist vom Luxus- zum Allgemeingut geworden, doch die Städte, Strände und Naturschätze sind dem Ansturm nicht gewachsen. »Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet«, sagte Hans-Magnus Enzensberger schon 1979. Damals pferchte man die Kinder einmal im Jahr ins Auto und rollte für drei Wochen in den Schwarzwald oder nach Italien. Es gab keine Billigflüge, keine Kurztrips nach Maine zum »Indian Summer« und keine Komplettangebote der Lufthansa für zehn Tage »Heli-Skiing« in den Rocky Mountains.

Dieser Ansturm auf die Paradiese dieser Welt hat Folgen. Die reisenden Naturliebhaber zertrampeln buchstäblich, was sie lieben: Die Vegetation in Island beispielsweise ist extrem empfindlich. Die Flechten, die dort wachsen, vertragen zwar das raue Klima, aber keine Fußtritte. So ist das Grün vieler Täler, die noch vor dreißig Jahren nahezu unberührt waren, heute von breiten Narben durchzogen. Auf Spitzbergen müssen Eisbären erschossen werden, weil auch dort Touristen herumspazieren wollen. Der unersättliche Appetit auf Neues, scheinbar Unentdecktes verschlingt auch die letzten Flecken unberührter Natur.

Dazu kommen die verheerenden Folgen des Fliegens. Eine Milliarde Tonnen CO2 wird jährlich durch den Flugverkehr freigesetzt. Auch wenn das nur etwa drei Prozent aller weltweiten Emissionen ausmacht, halten Forscher die Abgase von Flugzeugen für besonders schädlic

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen