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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2017
Vorwärts, Europa!
Wie die Politologin Ulrike Guérot die EU revolutionieren will
Der Inhalt:

Zwischen Abwehr und Zuversicht

Die Angst vor dem Fremden ist eine Herausforderung für den Glauben

Sie beunruhigen. Sie wirken bedrohlich. Sie stören. Wie das Kaninchen vor der Schlange stehen viele Einheimische vor den Flüchtlingen, vor den Fremden. Das Fremde beherrscht wie ein dunkler Dämon ihre Psyche. Angst, Ablehnung, Feindseligkeit, Neid und Hass sind die Folge. Die Devise lautet: Abschotten! Mauern hochziehen! Aber es gibt auch das andere: Solidarität, Unterstützung, Neugier auf die fremden Menschen, eine Haltung des Willkommens. Warum reagieren Menschen so unterschiedlich, so gegensätzlich? Und was spielt sich im Seelenleben vieler Flüchtlinge ab?

Abdul, Mitte zwanzig, ist aus Mossul im Irak geflohen. Er hat in Deutschland Asyl beantragt. Das Verfahren läuft noch. Jetzt steht er auf der Bühne des großen Saals im Würzburger Congress-Zentrum. Er wird gefragt, was ihm denn in Deutschland als besonders befremdlich aufgefallen sei. Abdul erzählt, er habe eine junge deutsche Frau kennengelernt und sei von ihr zusammen mit anderen zu einer Fete eingeladen worden. Er solle bitte einen Salat mitbringen, habe sie gesagt. »Ich bin eingeladen und soll einen Salat mitbringen? Das fand ich sehr merkwürdig«, sagt Abdul. Lachen im Saal. Was ihm denn noch aufgefallen sei? »Der Zusammenhalt der Familien in Deutschland ist nicht so groß wie bei mir zu Hause«, antwortet Abdul ernst. Und: dass die deutschen Polizisten ihm gegenüber sehr korrekt gewesen seien.

Wie alle anderen Migranten muss sich der junge Iraker auf seine eventuelle neue Heimat erst einmal einstellen. Er lebt nun in der Fremde. »Es gibt nicht wenige Flüchtlinge, die es in dieser Situation innerlich zerreißt«, hat der baptistische Theologe und Therapeut Michael Borkowski beobachtet, der Abdul und zwei andere Flüchtlinge nach Würzburg mitgebracht