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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2016
Schwester Kuh
Was wir den Tieren schulden
Der Inhalt:

Eine Frau Gottes

von Fritz Schaap vom 26.08.2016
Marokko ist das erste Land Afrikas, in dem Mourchidas ausgebildet werden: weibliche Imame. Für Marokkos König sind sie Agentinnen im Kampf gegen den islamistischen Terror. Zu Besuch bei Hind Zkhiri, der ersten Mourchida in Marrakesch

Wenn Hind Zkhiri an den Islam denkt, denkt sie an warme Nächte und süßes, schweres Gebäck. An ihren Vater, der sie als Mädchen mit in die kleine Moschee im Osten Marrakeschs nahm, wenn im Fastenmonat Ramadan die rote Sonne im Westen der Stadt verschwand und das Fasten gebrochen wurde. Und sie denkt an Blut.

An einen abgetrennten Arm, der auf dem Jemaa el Fna vor ihren Füßen liegt, dem Platz der Gaukler und der Schlangenbeschwörer, dem Zentrum der Altstadt. An blutige Körper, an weinende Kinder. An das Café Argana, ihr Stammcafé, das im April des Jahres 2011 von islamistischen Attentätern in die Luft gesprengt worden war. 17 Tote, so die offizielle Version. Über 60, erzählt man sich in Marrakesch.

Ihr Vater und der Terror, das sind die Pole, zwischen denen sich ihre Gedanken bewegen. Und es sind die Gründe, weshalb sie sich entschloss, eine Mourchida zu werden, ein weiblicher Imam. Marokko ist das erste Land Afrikas, in dem das möglich ist.

Die Mourchidas haben eine vergleichbare Autorität wie die Imame, nur predigen dürfen sie nicht. Ein Zugeständnis an die Konservativen. Laut dem Minister für religiöse Angelegenheiten ist der Einfluss der Mourchidas jedoch größer als jener der Imame – denn sie erreichen auch die Frauen, die bislang weitgehend vom gesellschaftlichen und religiösen Leben ausgeschlossen waren und deren Kinder nicht in die Hände der Extremisten geraten sollen. Die Mourchidas sieht man als Helferinnen im Kampf gegen den Terror.

Das Kalkül des Königs

An einem Mittwochmorgen, der Himmel ist noch blassgelb von dem Sandsturm, der in der Nacht über die Stadt hinweggezogen ist, sitzt Hind auf einem kleinen grünen Motorrad. Der Fahrtwind zieht an ihrer braunen Dschellaba, einem knöchellangen wallenden Gewand, so wie es der Prophet Mohammed der Überlieferung nach als angemessene Kleidung für Frauen empfohlen hat, und dem braunen Kopftuch. Die Mourchida ist auf dem Weg zur Nakhil-Moschee, um eine Frauengruppe zu treffen.

Hind trägt Schleier und kennt den Koran auswendig. Sie hat Islamwissenschaften studiert und arbeitet auch als Reiseleiterin für Pilgergruppen, die nach Mekka reisen. Die 36-Jährige hat zwei Kinder, einen Vollzeitjob und lernt nebenbei Englisch. Den Haushalt teilt sie sich mit ihrem Mann, einem Gymnasiallehrer. Hind will zeigen, dass es kein Widerspruch ist, de

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