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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2015
Unter die Haut
Sechs Monate mit syrischen Flüchtlingen unter einem Dach
Der Inhalt:

Die Geld-Revolution

von Wolfgang Kessler vom 28.08.2015
Ausgerechnet in der Bankenhochburg Schweiz will eine Volksinitiative ein anderes Geldsystem. Das hätte Folgen

Kommt die Revolution des Geldsystems ausgerechnet aus dem Land der Banken und Nummernkonten? Wenn die »Vollgeld-Initiative« bis zum 3. Dezember 100 000 Unterschriften sammelt, dann werden die Eidgenossen darüber abstimmen, ob die Privatbanken entmachtet werden, indem ihnen das Recht zur Geldschöpfung entzogen wird. Mehr als 90 000 Menschen haben bisher unterschrieben. Und nach einer Umfrage des Zürcher Tagesanzeigers würde die Mehrheit der Wahlberechtigten dafür stimmen.

Das hätte sich Hansruedi Weber nicht träumen lassen, als er nach der Finanzkrise 2008 über eine Alternative zum herrschenden Geldsystem für die Schweiz nachzudenken begann. Heute ist der pensionierte Volksschullehrer Präsident der Vollgeld-Initiative. Und die will »die Schweiz vor künftigen Finanzkrisen schützen«.

Die Vollgeld-Anhänger kritisieren vor allem, dass die Geschäftsbanken einfach selbst Geld schaffen können. Dazu brauchen sie einem Kunden nur einen Kredit zu gewähren. Den schreiben sie ihm auf seinem Konto gut, und dann kann der Kunde das Geld verwenden. Würden sie dabei nur das Geld verleihen, das Kunden bei ihnen angelegt haben, wären alle Kredite gedeckt. Doch die Banken verleihen um ein Vielfaches mehr. Insofern schaffen sie, so Weber, »Geld aus dem Nichts«. Und verdienen gut dabei, weil sie für Geld Zinsen kassieren, für das sie kaum Zinsen zahlen müssen.

»Weil Banken mit Geld Geld verdienen, schaffen sie immer mehr davon – viel mehr, als die Realwirtschaft braucht«, kritisiert Philippe Mastronardi, emeritierter Professor für Öffentliches Recht an der Universität St. Gallen. Er gehört zum wissenschaft lichen Beirat der Initiative. Für ihn zeigt die Geschichte, dass die Institute während eines Booms viel zu viel Geld schöpfen, sodass sich Spekulationsblasen an den Aktien- und Immobilienmärkten bilden.

Das soll das sogenannte Vollgeldsystem künftig verhindern: Es setzt voraus, dass alle Kredite aus Vollgeld bestehen. Das heißt: Banken sollen künftig nur so viel Geld verleihen, wie die Kunden bei ihnen deponiert haben. Oder aber sie müssen für weitere Kredite Darlehen bei der Zentralbank aufnehmen. Dafür streiten Persönlichkeiten aus dem rechtsliberalen, grünen und linken Lager, unterstützt von prominenten Ökonomen wie Hans Christoph Binswanger und auch vom Kabarettisten Emil Steinberger.

Aus ihrer Sicht mac

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