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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2015
Unter die Haut
Sechs Monate mit syrischen Flüchtlingen unter einem Dach
Der Inhalt:

Hoffnungsschimmer über Aleppo

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 28.08.2015
Während im Westen kaum noch jemand an ein baldiges Ende des Krieges in Syrien glaubt, ist der libanesische Politikwissenschaftler Mario Abou Zeid überzeugt: Die Chancen auf eine Lösung stehen gut

Publik-Forum: In Syrien tobt ein Stellvertreterkrieg und Sie sagen, eine Lösung sei so nahe wie schon lange nicht mehr. Das müssen Sie erklären!

Mario Abou Zeid: Zunächst hat das Regime von Baschar al-Assad in letzter Zeit einige Niederlagen einstecken müssen. Deshalb herrscht jetzt ein Kräftegleichgewicht, und das ist nötig, damit sich alle Seiten gezwungen sehen, miteinander zu verhandeln. Die Vereinten Nationen haben einen neuen Anlauf zu Verhandlungen gestartet, von dem aber noch nichts Konkretes bekannt ist. Darüber hinaus gab es Vorstöße vonseiten der Russen, der Saudis und der Iraner zu einem neuen Friedensplan.

Welche Signale kommen aus diesen Ländern?

Abou Zeid: Der Iran ist als Folge des ausgehandelten Nuklearabkommens interessiert daran, jetzt guten Willen zu zeigen. Denn der Atomdeal muss noch durch den amerikanischen Kongress, und so will die iranische Führung sich als Vermittlerin in Syrien präsentieren. Das ist zwar ein kurzfristiges Kalkül – eine langfristige Strategie für Syrien hat auch der Iran nicht –, das aber dennoch hilfreich sein kann. Und die Russen haben sich in den letzten Wochen zu Syrien-Gesprächen mit Funktionären aus Saudi-Arabien getroffen.

Wie könnte eine Lösung aussehen?

Abou Zeid: Es gibt noch keine konkreten Pläne und Ideen, wichtig ist es zunächst, die regionalen Großmächte Saudi-Arabien und Iran an einen Tisch zu bringen und eine gemeinsame Gesprächsbasis zu schaffen. Ob das gelingt, hängt jetzt von Russland ab. Die Russen könnten das schaffen, auf ihnen ruht nun die Hoffnung.

Nun sind Saudi-Arabien und der Iran nicht gerade für ihre Liebe zur Demokratie bekannt. Kann aus Syrien ein demokratischer Staat werden, wenn diese beiden Länder derart stark involviert sind?

Abou Zeid: Es ist noch zu früh, daran zu denken. Erst einmal muss der Krieg beendet werden. Der IS ist der gemeinsame Feind aller, und die momentane Lage stellt eine einmalige Gelegenheit dar, eine Übergangsregierung zu etablieren, an der alle Kräfte beteiligt sind. Diese Gelegenheit muss am Schopf gepackt werden. Denn wenn das militärische Kräftegleichgewicht nicht mehr besteht, wenn eine Seite stärker wird als die andere, ist die Chance ve

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