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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2011
Auf Leben und Tod
Streit um die Organspende
Der Inhalt:

Maulkorb für den Pfarrer

von Bettina Röder vom 23.08.2011
Nach der Durchsuchung des Stadtjugendpfarramts in Jena wächst die Solidarität mit Lothar König. Doch es geht um mehr

Verwundert reibt man sich die Augen. Denn nicht nur das Vorgehen der sächsischen Polizei, sondern der ganze Vorgang um die Durchsuchung des Jenaer Stadtjugendpfarramtes ist eines Rechtsstaats nicht würdig. Stattdessen kommen Erinnerungen an tiefste DDR-Zeiten, die bekanntlich überwunden sind. Auch der Jenaer Stadtjugendpfarrer Lothar König hat dazu gewaltlos beigetragen. Nun holt ihn die Geschichte ein. Doch auch immer mehr Menschen solidarisieren sich mit ihm.

Im Morgengrauen vor gut zwei Wochen umstellte die sächsische Polizei Lothar Königs Stadtjugendpfarramt, stürmte in Privat- und Diensträume, durchsuchte sie und beschlagnahmte Material. Das Vergehen: König hatte mit seiner Jenaer Jungen Gemeinde in Dresden am 19. Februar 2011 gegen die Nazis demonstriert. Nun, ein halbes Jahr später, ermittelt der sächsische Staatsschutz gegen ihn. »Schwerer aufwieglerischer Landfriedensbruch« lautet einer der Vorwürfe. »Deckt die Bullen mit Steinen ein«, soll er aus seinem Transporter gerufen haben.

Wer den 57-jährigen Theologen kennt, kann sich eine solche sprachliche Entgleisung nur schwer vorstellen. Lothar König kommt aus der kirchlichen Friedensarbeit der DDR, die Deeskalation und Entfeindung auf ihre Fahnen geschrieben hatte. Eine Friedenstheologie, die bis heute sein Grundsatz ist. Und mit der er sich mit seiner Jungen Gemeinde, die dafür manchen Preis erhielt, bis heute einmischt.

Doch bei dem Vorgang im Morgengrauen in Jena und seinen Folgen geht es um weit mehr als eine Person. Es ist bundesweit ein Politikum, dass kirchliche Räume durchsucht werden. Dagegen haben sich die Kirchen immer verwahrt – zu Recht. Denn es geht dabei mittelbar um den Bruch des Seelsorgegeheimnisses: Was in den Aktenschränken des Stadtjugendpfarramtes zu finden war, beinhaltete auch sensible Daten von Menschen, für die die Kirche ein Schutzraum war. Nun ist sie es nicht mehr. Das ist das eigentlich Schockierende. Über das Verhältnis der sächsischen Justiz zur Kirche sagt die Durchsuchung eine Menge aus. Über die Wertschätzung und Achtung kirchlicher Arbeit nicht minder.

Zahlreiche Menschen, die sich mit ihm solidarisieren, sehen das so. In einer gemeinsamen Stellungnahme der Bischöfin der Mitteldeutschen Evangelischen Kirchen, Ilse Junkermann, und Kirchenamtspräsidentin Brigitte Andrae bezeichnen beide die Durchsuchung des Dienstzimmers und des Dienstcomputers a

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