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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2018
Himmlische Klänge
Musik als spirituelle Kraft der Religionen
Der Inhalt:

Wenn leben schwerer ist als sterben

Roman. Die Geschwister Bulbul, Hussain und Fatima sind auf einer gefährlichen Reise: Der letzte Wunsch ihres verstorbenen Vaters war es, in seinem Heimatdorf im Norden Syriens begraben zu werden. Doch in Kriegszeiten ist die Strecke von Damaskus dorthin kaum zu meistern. Stundenlang müssen sie an Straßensperren warten: Mal wird der Leichnam des Vaters inhaftiert, dann müssen Koranverse auswendig aufgesagt werden, und bei all dem verwest die Leiche auf der Rückbank und stinkt bestialisch.

Der Autor Khaled Khalifa hat mit seinem Roman »Der Tod ist ein mühseliges Geschäft« ein Buch vorgelegt, das gleichermaßen abstößt und fasziniert. Literarisch ist es in seiner Schlichtheit und Eindringlichkeit bemerkenswert, inhaltlich ist es beklemmend und düster, ja, nihilistisch. Die Familie, die Halt geben sollte – zerrissen. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft – gestorben. Einzig in der Vergangenheit findet Bulbul ein wenig Normalität, und so durchziehen Erinnerungsfetzen die Reise der drei erwachsenen Geschwister. Sympathisch sind diese nicht, eher jämmerliche Existenzen.

»Alle Bewohner der Stadt betrachteten einander als künftige Tote.« Selten ist man so nah dran am Alltag des Krieges, selten wird einem so schmerzhaft bewusst, was Kriege aus einer Gesellschaft machen können. Der Zerfall der Leiche ist ein Sinnbild für den Zerfall der syrischen Gesellschaft. Keiner kann sich dem Strudel aus Krieg und Morden entziehen, der die Menschlichkeit in den Abgrund reißt.

Der Autor Khaled Khalifa gilt als aufsteigender Stern in der arabischen Literatur. In Syrien selbst ist sein Buch verboten. Khalifa lebt noch immer in Damaskus und, das ist wohl das Bedrückendste