Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2018
Himmlische Klänge
Musik als spirituelle Kraft der Religionen
Der Inhalt:

»Schlepper gibt es auch ohne uns«

Die Lifeline hat in einem Jahr mehr als tausend Menschen gerettet. Initiator Axel Steier über seine Erlebnisse bei den Aktionen vor der libyschen Küste

Publik-Forum: Herr Steier, Sie sind Initiator der Lifeline, einem Rettungsschiff für Flüchtlinge im Mittelmeer. Wie viele Menschen haben Sie bisher gerettet?

Axel Steier: 1019 Menschen.

Was ist Ihre Motivation?

Steier: Die Bilder von Menschen in Lebensgefahr. Was soll ich meinen Kindern sagen, wenn sie fragen, was ich unternommen habe? Als wir im September 2017 bei unserer ersten Mission 257 Menschen gerettet haben, war das ein unglaublich gutes Gefühl zu erleben, dass wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren.

Was haben Sie erlebt?

Steier: Dass ein Schlauchboot fast gesunken wäre, weil es Luft verloren hatte. Die sogenannte Libysche Küstenwache griff unser Boot an und versuchte, die Menschen zu kidnappen, die wir gerettet hatten. Sie haben uns mit Waffen bedroht, dann geentert. Nach dem Hinweis, dass wir diesen Vorgang live nach Europa übertragen, sind sie abgezogen.

In welchem Zustand waren die Flüchtlinge? Es wird behauptet, nur die Reichen könnten fliehen?

Steier: Es gibt auch Reiche. Doch die allermeisten sind ehemalige Sklaven, die aus Internierungslagern in Libyen kommen. Deren Familien werden häufig erpresst, damit genügend Geld für die Flucht zusammenkommt. Die meisten kommen aus dem Sudan, aus Eritrea oder aus dem Kongo. Viele sind unterernährt, haben Infektionskrankheiten und weisen Spuren von Folter auf.

Wenn es Sie nicht gäbe, gäbe es weniger Schlepper, heißt der Vorwurf.

Steier: Das ist Unsinn. S