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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2018
Himmlische Klänge
Musik als spirituelle Kraft der Religionen
Der Inhalt:

Kommerz statt Erinnerung

Checkpoint Charlie in Berlin: Luxusbauten oder bürgernaher Geschichtsort?

Sie kommen täglich aus aller Welt. Zu Tausenden zum weltberühmten Checkpoint Charlie, der als ehemalige Grenze zwischen Ost und West der meistbesuchte Ort der Hauptstadt ist. Die Menschen hier, darunter viele junge, wollen keine Einkaufstempel besuchen. Sie informieren sich am einzigartigen Erinnerungsort über die Geschichte der Teilung der Stadt. Noch können sie das, mehr schlecht als recht. Wie lange noch, ist offen. Denn: Ausgerechnet in diesen Tagen der Erinnerung an den Mauerbau am 13. August 1961 hat der geschichtsvergessene Senat offenbar ganz andere Pläne mit dem Checkpoint Charlie.

Er ist dabei, die verbliebenen Freiflächen rund um den ehemaligen Checkpoint ihrem Schicksal zu überlassen. Das hat er schon einmal getan. 1993 hat er das Areal des ehemaligen Grenzübergangs verkauft, statt einen Ort des Gedenkens einzurichten. Der Investor ging pleite. Jetzt hat ein neuer Investor namens Trockland die Schulden übernommen und plant wieder mal ein Großprojekt: Ein American Business Center 2.0 mit Luxuswohnungen und Geschäften.

Dabei geht es um die entscheidende Frage: Soll der Checkpoint Charlie zum profitgesteuerten Immobilienprojekt degradiert werden oder als bürgernaher Geschichts- und Alltagsort eine Zukunft haben. Und es geht um Transparenz: Hat der Senat nicht alles schon hinter verschlossenen Türen ausgehandelt? Der Verdacht liegt nahe. Die kurze und überstürzte Präsentation von sieben städtebaulichen Architektur-Entwürfen lässt nichts Gutes ahnen. Immerhin: Berlin hat offiziell noch immer das Vorkaufsrecht für die Grundstücke. Es wird sich zeigen, wie bürgernah dieser Senat ist. Und ob der Checkpoint Charlie ein würdiger Erinnerungsort wird, der weiterhin Besucher aus aller Welt anlockt.