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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2018
Himmlische Klänge
Musik als spirituelle Kraft der Religionen
Der Inhalt:

Der raue Ton, der die Toten weckt

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 10.08.2018
Der Neurologe und Musiker Eckart Altenmüller erforscht, wie Musik im Gehirn wirkt

Publik-Forum: Herr Professor Altenmüller, was passiert im Gehirn, wenn ein Mensch Musik hört?

Eckart Altenmüller: Musik spricht fast alle Hirnregionen an. Sobald ein Klang – zum Beispiel Orgel – im Gehirn ankommt, wird er verbunden mit dem Zentrum, das Assoziationen herstellt und emotionale Bewertungen ausführt. Da werden dann Bilder und Gefühle abgerufen, die der Hörende damit verbindet: die Kirche, eine Predigt, die Erinnerung an die Menschen, mit denen er das letzte Mal Orgelklänge hörte.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Musik und Spiritualität?

Altenmüller: Die entscheidende Wirkung von Musik ist die auf unsere Emotionen. Das hat sie gemein mit der Spiritualität. Bei beiden fällt es schwer, Gefühle und Gewissheiten in Worte zu fassen. Da gibt es einen transzendentalen Bezug – übrigens nicht nur in unserem Kulturkreis. In der buddhistischen und hinduistischen Kultur wurde Musik als Gottesgeschenk angesehen. Und in Japan glaubten die Menschen lange, der raue Ton der Bambusflöte wecke die Toten auf und ermögliche es den Lebenden, mit ihnen zu sprechen.

Weckt eine Passion von Bach bei einem Hörer aus Asien denn andere Gefühle als bei einer Europäerin?

Altenmüller: Es gibt Anteile in der Musik, die sind universell: Schnelle Musik und hohe Frequenzen werden weltweit als fröhlich wahrgenommen, langsame Melodien und tiefe Töne dagegen als ruhig oder traurig. Darüber hinaus hängt es aber in der Tat von der eigenen Kulturalisierung ab, wie wir Musik wahrnehmen. Die Arie »Erbarme dich, mein Gott« aus Bachs Matthäus-Passion wird eine Hörerin aus Delhi anders empfinden als eine in Dortmund.

Wenn ein Christ eine Koranrezitation hört, etwas für ihn Fremdes, kann er dennoch ergriffen sein. Wie lässt sich das erklären?

Altenmüller: Ein solcher Gänsehaut-Effekt lässt sich oft beobachten, wenn wir das Gefühl haben, an etwas Großartigem teilzuhaben, das den Menschen um uns herum viel bedeutet. Wenn Sie etwa in einem Fußballstadion in den USA die amerikanische Nationalhymne hören und alle singen mit, kann das zu einer ähnlichen Ergriffenheit führen. Das geht uns Menschen sehr nahe, es ist eine Art ästhetische Ehrfurcht.

Stellen wir uns einen Konzertsaal vor: Pa

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