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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2017
Was ist eine christliche Ehe?
Ein evangelisch-katholischer Disput
Der Inhalt:

»Dieses Land gehört uns allen«

von Bettina Rühl vom 11.08.2017
In der Demokratischen Republik Kongo kämpft die Bewegung Lucha gegen Resignation und für Veränderung – gewaltfrei

Der junge kongolesische Jurist Luc Nkulula sitzt am Ufer des Kivu-Sees im Osten der Demokratischen Republik Kongo und fängt an zu singen, ein Liebeslied mit dem Titel »Malaika«. Nach wenigen Sekunden bricht er ab und erklärt: »Das Lied war zu einer gewissen Zeit sehr berühmt, wir haben es verändert. Statt für eine Frau singen wir es für unsere Heimat: Ich liebe dich, Kongo. Ich kann dir nichts bieten, aber ich werde alles für dich tun.« »Wir«, das sind die Aktivisten der kongolesischen Bewegung Lucha, »Lutte pour le changement«, auf Deutsch: »Kampf für die Veränderung« (luchacongo.org). Nkulula setzt noch einmal ein, mit dem veränderten Text auf Suaheli. Der 32-Jährige ist schlank, seine Augen sind wach, manchmal spöttisch. Seine Liebeserklärung an den Kongo meint er allerdings ernst – trotz allem, möchte man sagen. »Der kongolesische Staat hat mir noch nie irgendetwas bezahlt, er hat mir nie einen Gefallen getan.«

Unverdrossen kämpfen Nkulula und die anderen Aktivisten für politische und gesellschaftliche Veränderungen im Kongo. Sie lassen sich verhaften und in Gefängnissen festhalten, in denen der Normalinsasse nachts kaum genug Platz zum Sitzen hat. »Warum tun Sie das?« Diese Frage bringt den Juristen, der selbst schon mehrere Wochen im Gefängnis verbracht hat, ins Grübeln. »Vielleicht wollen wir nicht, dass künftige Generationen dasselbe durchmachen müssen wie wir«, sagt Nkulula dann.

Seit Monaten häufen sich die Proteste, weil der seit 2001 regierende Präsident Joseph Kabila mit allen Mitteln versucht, sich an der Macht zu halten. Sein Mandat lief im Dezember aus. Spätestens Ende November 2016 hätte gewählt werden müssen. Kabila darf laut Verfassung nicht noch ein drittes Mal antreten. Schnell aber war klar, dass die Regierung die Wahlen verschieben würde. Seitdem eskaliert die Gewalt.

Die Proteste erfassen immer weitere Teile des riesigen Landes. In der Provinz Zentral-Kasai spitzt sich die Lage zu. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wurden im Zentrum der Demokratischen Republik Kongo seit Anfang des Jahres fast 500 Menschen getötet. Mehr als eine Million Menschen wurden vertrieben.

Friedlich gegen Unterdrückung

In den vergangenen Wochen haben die UN außerdem mindestens fünfzig Massengräber entdeckt, doch die Re

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