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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2018
Geborgen und unbehaust
Was Religion über Heimat sagt
Der Inhalt:

»Wie die Wespen im Regenwald«

Patricia Gualinga, Katechetin und Schamanin, wird Papst Franziskus auf der Amazonas-Synode beraten. Eine Begegnung

Wenn Patricia Gualinga über die Urwälder ihrer Heimat im ecuadorianischen Amazonastiefland spricht, legt sich ein Glanz auf ihr Gesicht. Ihre Stimme wird langsam, feierlich. Selbst an einem total un-indianischen Ort, dem Barockkloster Weingarten, einem Sitz der Katholischen Akademie Rottenburg-Stuttgart, wo wir uns treffen, ein Jahr nachdem ich sie in ihrem Urwalddorf besuchte.

»Der Urwald, das ist für unser Kichwa-Volk etwas Heiliges – Kawsak Sacha auf Kichwa, spanisch: Selva Viviente, also ein beseelter Ort«, sagt Patricia. »Die Wesen des Waldes, die Sichtbaren wie die Unsichtbaren, geben uns Indigenen Kraft und tiefe Sicherheit.« Die Amazonas-Botschafterin, die Papst Franziskus zur Vorbereitung seiner Amazonas-Synode nach Rom eingeladen hat, spricht in aller Ruhe von der Kraft der Stachelrochen im hellbraunen Fluss, vom Jaguar tief im Dickkicht der Wälder und von der Macht der Anaconda.

»Ich bin eine Iáchi, eine Schamanin und Hüterin der Tradition meines indigenen Volkes«, sagt Patricia, »und ich bin Katechetin, ich leite Gottesdienste.« Das taten schon ihre Eltern, die 84 Jahre alte Mutter Corina und der heute 94-jährige Don Sabino. »Meine Mutter hat 1985, als Johannes Paul II. Ecuador besuchte, dem Papst aus Polen ausführlich erklärt, wie wir Indigenen in der spirituellen Tradition unserer Urwälder beheimatet sind und zugleich als Christen leben.« Aus der Führerschaft ihrer Eltern in der Kirchengemeinde sowie in der Religion der Geister des Waldes wuchs der seit 1990 erfolgreiche gewaltfreie Widerstand des Dorfes Sarayaku gegen mächtige Erdölfirmen. »Der damalige Bischof Tomás Romero Gro