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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2018
Geborgen und unbehaust
Was Religion über Heimat sagt
Der Inhalt:

»Wie die Wespen im Regenwald«

von Thomas Seiterich vom 27.07.2018
Patricia Gualinga, Katechetin und Schamanin, wird Papst Franziskus auf der Amazonas-Synode beraten. Eine Begegnung

Wenn Patricia Gualinga über die Urwälder ihrer Heimat im ecuadorianischen Amazonastiefland spricht, legt sich ein Glanz auf ihr Gesicht. Ihre Stimme wird langsam, feierlich. Selbst an einem total un-indianischen Ort, dem Barockkloster Weingarten, einem Sitz der Katholischen Akademie Rottenburg-Stuttgart, wo wir uns treffen, ein Jahr nachdem ich sie in ihrem Urwalddorf besuchte.

»Der Urwald, das ist für unser Kichwa-Volk etwas Heiliges – Kawsak Sacha auf Kichwa, spanisch: Selva Viviente, also ein beseelter Ort«, sagt Patricia. »Die Wesen des Waldes, die Sichtbaren wie die Unsichtbaren, geben uns Indigenen Kraft und tiefe Sicherheit.« Die Amazonas-Botschafterin, die Papst Franziskus zur Vorbereitung seiner Amazonas-Synode nach Rom eingeladen hat, spricht in aller Ruhe von der Kraft der Stachelrochen im hellbraunen Fluss, vom Jaguar tief im Dickkicht der Wälder und von der Macht der Anaconda.

»Ich bin eine Iáchi, eine Schamanin und Hüterin der Tradition meines indigenen Volkes«, sagt Patricia, »und ich bin Katechetin, ich leite Gottesdienste.« Das taten schon ihre Eltern, die 84 Jahre alte Mutter Corina und der heute 94-jährige Don Sabino. »Meine Mutter hat 1985, als Johannes Paul II. Ecuador besuchte, dem Papst aus Polen ausführlich erklärt, wie wir Indigenen in der spirituellen Tradition unserer Urwälder beheimatet sind und zugleich als Christen leben.« Aus der Führerschaft ihrer Eltern in der Kirchengemeinde sowie in der Religion der Geister des Waldes wuchs der seit 1990 erfolgreiche gewaltfreie Widerstand des Dorfes Sarayaku gegen mächtige Erdölfirmen. »Der damalige Bischof Tomás Romero Gross, ein Dominikaner, hat die Eltern als junge Leute ausgebildet und beide geweiht«, sagt Patricia Gualinga.

Gemeinsam mit zwei vitalen älteren Herren, die beide amazonische Befreiungstheologen sind, Bischof Erwin Kräutler (79) und Kardinal Claudio Hummes (83), bereitet die Sprecherin ihres knapp 1500-köpfigen Volkes die Amazonien-Synode für das Jahr 2019 vor. Leider soll das Treffen im Vatikan stattfinden, nicht in einer Stadt im bedrohten Regenwald. Etliche westliche Theologen erwarten, dass Franziskus auf der Amazonas-Synode endlich die Zölibatspflicht lockert. Denn in der Welt der Indigenen ist das Konzept der Ehelosigkeit seit jeher ein Unding. Das Aus für den Pf

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