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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2018
Geborgen und unbehaust
Was Religion über Heimat sagt
Der Inhalt:

Demo nach der Sonntagsmesse

von Thomas Seiterich, François Misser vom 27.07.2018
Für faire Wahlen, Regimewechsel und Menschenrechte: Die katholische Kirche unterstützt den gewaltfreien Aufstand im Kongo

Politische Krise im Kongo – und die Kirche im gewaltfreien Widerstand, als Oppositionsbewegung für Demokratie: Die verfassungsmäßige Amtszeit des Präsidenten endete an Silvester 2017. Trotzdem herrscht Joseph Kabila weiter als Präsident des größten und an seltenen Bodenschätzen reichsten Landes in Afrika. Zweimal bereits verschob er die Wahlen. Gegen das Gewaltregime Kabilas protestiert die katholische Kirche. Sie ist mächtig, vor Ort die gewichtigste Gegenspielerin der Regierung, wenn es um Bürger- und Menschenrechte geht. Einzig die Kirche verfügt in dem unwegsamen, über 2,3 Millionen Quadratkilometer großen Land der Ströme, Regenwälder und Savannen über ein verlässliches Netzwerk von aktiven Gemeinden, das in das gesamte Gebiet der Demokratischen Republik Kongo reicht.

Die katholischen Bischöfe hatten als ehrliche Makler mit der Regierung einen Fahrplan für faire Wahlen bis Ende 2017 ausgehandelt. Nun fühlen sie sich von Kabila, der seit 17 Jahren amtiert, betrogen.

In der Protestbewegung für faire Wahlen übernahm der Verband katholischer Laien CLC die Führung. Die Laien waren vorbereitet. Denn vier Jahre lang, von 2010 bis 2014, hatten Margret Voss und ihr Mann Reinhard Voss, der ehemalige Generalsekretär von Pax Christi in Deutschland, die führenden Frauen und Männer in der katholischen Kirche des Kongo in gewaltfreierm Widerstand und Konfliktverhalten geschult. »Auf Einladung der Bischofskonferenz«, erzählt Reinhard Voss: »Im Lauf der vier Jahre gelangten wir, trotz schier unüberwindlicher Reiseschwierigkeiten in 26 der insgesamt 47 kongolesischen Bistümer. Wir haben in Ein-Wochen-Kursen vor Ort die führenden Laien, Ordensfrauen und Geistlichen in gewaltfreier Aktion geschult.« Das seien »höchst praktische Kurse« gewesen, ein intensives Miteinander, »in dem die Teilnehmenden lernten, sich der bewaffneten Macht entgegenzustellen und Konflikte selbstbewusst zu bestehen.«

Gleich nachdem Kabila zu Jahresbeginn die Wahlen abgesetzt hatte, kam es auf Initiative des Laienverbandes in der Hauptstadt Kinshasa und anderen Städten zu einer breiten Mobilisierung. Die Gläubigen wurden aufgefordert, nach der Sonntagsmesse friedlich auf die Straße zu gehen, um faire Wahlen einzufordern. Der vatikanische Nuntius, Erzbischof Luis Montemayor, unterstützte die Massenproteste. Aufgrund seiner Kritik an Kabila wurde er vom

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