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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2018
Geborgen und unbehaust
Was Religion über Heimat sagt
Der Inhalt:

Fluchtursachen und Sonntagsreden

In Eritrea und Äthiopien könnten die Politiker ihren Worten Taten folgen lassen

Man müsse die Fluchtursachen bekämpfen, predigen Politiker gerne in Sonntagsreden. Doch montags reden sie meist schon wieder über Abschottung und Abschiebung. Jetzt bietet sich der europäischen Politik die große Chance, ihren Worten Taten folgen zu lassen. Und dies in einer sehr umkämpften Weltgegend: am Horn von Afrika. Dort haben mit Äthiopien und Eritrea zwei Staaten Frieden geschlossen, die sich bis vor Kurzem waffenstarrend gegenüberstanden.

Wäre es nur ein Friedensschluss zwischen den umstrittenen Präsidenten, dann wäre der Friede mehr als brüchig. Doch es ist ein Friedensschluss der Menschen. Zu Hunderttausenden haben Eritreer dem äthiopischen Präsidenten zugejubelt und Äthiopier dem eritreischen Präsidenten. Denn beide Regenten haben Zugeständnisse gemacht, die noch vor wenigen Wochen undenkbar schienen. Entsprechend schnell wurden Fluglinien eingerichtet, Telefonleitungen wiederbelebt. Die Grenzen sind wieder offen.

Was beide Länder jetzt brauchen, ist eine dynamische wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Noch lebt ein großer Teil der hundert Millionen Äthiopier und Eritreer in bitterer Armut, auch wenn in Äthiopien vieles bewegt wurde. Beide Länder brauchen Milliarden-Investitionen in Ausbildung, Arbeitsplätze, Infrastruktur, in die bäuerliche Landwirtschaft und in ein Gesundheitssystem, das auch den Armen hilft.

Bedenkt man, dass viele afrikanische Flüchtlinge aus Eritrea und Äthiopien über das Mittelmeer fliehen, würde der viel diskutierte »Marshall-Plan für Afrika« gerade in dieser Region den Menschen neue Perspektiven eröffnen. Und die Politiker könnten ihren Dauerreden von der Bekämpfung der Fluchtursachen endlich Taten folgen lassen – wenn sie es denn woll