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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2018
Geborgen und unbehaust
Was Religion über Heimat sagt
Der Inhalt:

Der Intendant und die Demo

Die CSU will den Münchener Kammerspielen politische Enthaltsamkeit verordnen

Unter dem Motto »Ausgehetzt« haben in München mindestens 25 000 Menschen »gemeinsam gegen eine Politik der Angst« demonstriert – und gegen die CSU-Spitzenpolitiker Horst Seehofer, Markus Söder und Alexander Dobrindt. Dazu rief auch der Intendant der Kammerspiele München, Matthias Lilienthal, auf. CSU-Stadtrat und Fraktionsvorsitzender Manuel Pretzl aber beantragte, dem Theater die Beteiligung an der Demo zu verbieten und gegen den »Verantwortlichen dienstaufsichtsrechtliche Maßnahmen« einzuleiten.

Die Forderung nach »parteipolitischer Neutralität« eines »städtischen Eigenbetriebes« ist grundsätzlich richtig. Aber anders als ein Minister oder die Leiterin einer Behörde übt der Intendant eines Theaters keine Hoheitsakte aus: Er macht keine Gesetze, fällt keine gerichtlichen Entscheidungen, kann niemanden verhaften. Es ist Lilienthals Auftrag, den Freiraum, der dem Theater durch die kommunale finanzielle Unterstützung gewährt wird, auszunutzen und nicht nur unterhaltsame Folklore in geschlossenen Räumen zu organisieren. Dass Lilienthal an die Grenzen zwischen der Innenwelt des Theaters und der politischen und sozialen Außenwelt geht, ist da nur konsequent. Dass die CSU ihn aus 130 Unterzeichnern herausgriff, um dienstaufsichtsrechtliche Maßnahmen gegen ihn zu fordern, war ein schlechter Schachzug und offenbart in den Augen der Bürger nur einmal mehr den autoritären Kurs der Partei. Ihnen scheint es, als wolle die CSU den Kulturbetrieb gleichschalten. Ob es illegitim oder gar illegal ist, dass der Intendant eines Theaters Flagge zeigt und nicht vorsichtshalber weit hinter den Grenzen der Kunstfreiheit zurückbleibt, während politisches Personal Grenzen von Freiheit und Menschenwürde überschreitet, ist eine politische Debatt