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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2018
Geborgen und unbehaust
Was Religion über Heimat sagt
Der Inhalt:

»Es müssen sofort wieder Schiffe auslaufen«

Mareike Geiling, 31, hat die Initiative »Seebrücke« mitgegründet. Sie setzt sich für die Rettung Geflüchteter ein

Es begann, als das Rettungsschiff der Dresdner Organisation Mission Lifeline tagelang auf dem Meer umherirrte, weil kein Land die 234 Flüchtlinge an Bord aufnehmen wollte. Frustriert über Europas Abschottungspolitik gründeten einige Aktivisten aus der Flüchtlingshilfe eine Chatgruppe, zu der auch ich eingeladen wurde. Wir tauschten uns aus und stellten fest: Jeder hat Familie, Nachbarn, Freunde, die genauso empört sind wie wir über Europas Umgang mit den Flüchtlingen. Da haben wir beschlossen: Lasst uns gemeinsam ein Zeichen setzen. Denn die derzeitige Situation ist einfach unerträglich! Uns war klar: Wir müssen jetzt sofort etwas tun.

Am Mittwoch, den 27. Juni hat sich eine Handvoll Leute aus unserer Chatgruppe zum ersten Mal getroffen. Wir haben eine Webseite aufgebaut, uns den Namen »Seebrücke« überlegt, eine Pressegruppe, eine Aktionsgruppe und eine Social-Media-Gruppe ins Leben gerufen. Gerade mal eine gute Woche später sind etwa 20 000 Menschen in ganz Deutschland auf die Straßen gegangen! Kaum hatten wir angekündigt, eine Demo in Berlin zu organisieren, meldeten sich andere, die Kundgebungen in Leipzig, Gießen, München, Zwickau angemeldet hatten. Wir sind mega geflasht davon, dass unserem Aufruf so viele gefolgt sind. Uns eint der kleinste gemeinsame Nenner: die Empörung über das Sterben im Mittelmeer. Wir fordern sichere Fluchtwege und eine Entkriminalisierung der Seenotretter. Deren Schiffe müssen endlich wieder rausfahren dürfen! Sofort.

Als Studentin war ich in Togo, Äthiopien, Palästina und Argentinien, später habe ich an einer Uni in Ägypten Deutsch unterrichtet. All das hat mich sensibilisiert für das Thema Migration und für die globale Ungleichheit. 20