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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2018
Geborgen und unbehaust
Was Religion über Heimat sagt
Der Inhalt:

»Eine komplett amoralische Politik«

Täglich kommt es in Indien zu Vergewaltigungen. Premier Narendra Modi und seine hindu-nationalistische BJP habenein Klima geschaffen, in dem Gewalt weiter um sich greift. Ein Gespräch mit dem Historiker Ramachandra Guha

Es sind Verbrechen äußerster Brutalität. Sie geschehen täglich hundertfach. In den Zeitungen ist mehrmals die Woche darüber zu lesen. Von den allerabscheulichsten erfährt man auch aus westlichen Medien. Etwa von der Gruppenvergewaltigung, bei der sechs Männer in einem Bus in Delhi im Dezember 2012 eine 23-Jährige gefoltert und vergewaltigt haben. Die junge Frau starb an inneren Verletzungen.

Jährlich werden in Indien 40 000 Vergewaltigungen registriert, die Hälfte der Geschändeten sind Minderjährige. Die Dunkelziffer ist vermutlich weit höher. Viele der Verbrechen werden nicht gemeldet, weil sonst die Ehre der Frau verloren ist und sie möglicherweise geächtet wird.

Das zuletzt größte Aufsehen erregte die Vergewaltigung und Ermordung eines achtjährigen Mädchens vor einem halben Jahr in einem Dorf in der Region Kaschmir und Jammu. Eine Gruppe von Hindus hatte das halbnomadische muslimische Kind entführt. Sie hielten es eine Woche lang in einem Tempel gefangen, verabreichten ihm Drogen, gaben ihm nichts zu essen und vergewaltigten es mehrmals. Dann töteten sie es und warfen die Leiche in einen Wald.

Zunächst nahm kaum jemand Notiz davon. Erst im April kam es zu starkem Protest. Es war bekannt geworden, dass ein Polizist unter den Tätern war. Er hatte seine Mittäter gebeten, den Mord hinauszuschieben, damit er das Mädchen noch einmal vergewaltigen konnte. Die schockierenden Details und der Umgang der Behörden mit dem Verbrechen führten nun in den Medien zu einer hitzigen Debatte über das veränderte gesellschaftliche Klima unter dem hindunationalistischen Premierminister Narendra Modi, der 2014 mit seiner Partei BJP an die Macht gekommen war.

Seither haben d