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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2016
CETA, TTIP und TISA stoppen! Fairhandel statt Freihandel
Der Inhalt:

Sozialprotokoll: Mein Recht zu trauern

Maria Furt* (36) erlebte in ihrer ersten Schwangerschaft eine Fehlgeburt. Die Erinnerungen beschäftigen sie immer noch

Es passierte, als ich 33 Jahre alt war, eigentlich im besten Alter. Ich war in der elften Woche schwanger und ging zu einer Routineuntersuchung. Als der Arzt meinen Bauch untersuchte, konnte er plötzlich keine Herztöne feststellen. Eine Odyssee durch das Krankenhaus begann, doch das Lebenszeichen, nach dem wir suchten, war nicht da. Irgendwann war klar, dass der Embryo im Mutterleib verstorben war und entfernt werden musste. Die Ärzte wollten einen Termin für die Ausschabung machen, aber der Gedanke, noch über Tage hinweg mit einem toten Kind im Bauch herumzulaufen, war unerträglich für mich. Also riet man mir, am nächsten Tag um sechs Uhr morgens ins Krankenhaus zu gehen und so lange zu warten, bis ein Termin freiwerden würde. Dann ging alles ganz schnell.

Es war kein schönes Erlebnis. Meine Mutter war eigens angereist und blieb die ganze Zeit über bei mir. Mein Freund war nicht bei mir. Psychisch ging es mir sehr schlecht. Ich hatte mich durch die Hormone schon so auf das Muttersein eingeschossen, dass ich selbst nach der kurzen Schwangerschaft einen riesigen Verlust empfand. Ich begann zu grübeln, was ich falsch gemacht hatte, ob ich etwas Falsches gegessen oder mich falsch bewegt hatte. Unter mir tat sich der Boden auf, und ich fiel in ein tiefes Loch. Trauer, Schuld, dazu das Gefühl des Versagens, dass ich das Natürlichste auf der Welt nicht hinbekommen hatte. Ich hatte während der Schwangerschaft viel geweint und große Angst um das Kind gehabt, sodass ich irgendwann sogar glaubte, das Kind mit meinen negativen Gedanken getötet zu haben. Ich hoffte, die Trauer würde irgendwann nachlassen, und damit auch die Schuldgefühle. Das geschah aber nicht. Ein Freund riet mir, eine Therapie zu machen. Das hat mir unglaublich gutgeta