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»Eingefahrene Gleise verlassen«

Was sich im Umgang mit Flüchtlingen und in der deutschen Asyl-Bürokratie ändern muss. Das Vermächtnis des kürzlich verstorbenen Menschenfreunds Rupert Neudeck. Auszug aus seinem letzten Buch »In uns allen steckt ein Flüchtling«
von Rupert Neudeck vom 22.07.2016
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In meinen Augen ist die wichtigste Forderung: Flüchtlinge müssen gleich nach ihrer Ankunft in Deutschland etwas tun! In der Regel ist in den deutschen Kommunen die Versorgung gut. Gar nicht gut ist aber, dass die Mehrzahl dieser Menschen einfach nichts tun muss und deshalb vieles brachliegt. Und das über Monate. Wir müssen uns bemühen, eine freundliche, aber bestimmte Disziplin in die Asylbewegung zu bekommen. Nur wenn wir das schaffen, können gewaltsame Auseinandersetzungen verhindert werden. Die Flüchtlinge brauchen einen geordneten Tagesablauf. Das kann aber nicht allein durch Deutschunterricht erreicht werden. Es müssen Projekte angestoßen werden, bei denen sich gerade junge Asylbewerber und Flüchtlinge einbringen können, etwa im Baugewerbe oder in anderen handwerklichen Berufen, in denen sie schon in ihrer Heimat Fertigkeiten an den Tag legten. Das ermöglicht ihnen eine Perspektive, und sie fühlen sich in ihrer Wartezeit nicht alleingelassen. Unsere eigene Mitleidshaltung, untermauert von unserem für selbstverständlich gehaltenen Wohlstand, führt dazu, dass wir Flüchtlinge noch immer als arme, abhängige Wesen sehen, denen im nächsten Krankenhaus eine Infusion gelegt werden muss. Passivität ist das größte Hindernis für Integration.

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