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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2016
CETA, TTIP und TISA stoppen! Fairhandel statt Freihandel
Der Inhalt:

»Eingefahrene Gleise verlassen«

von Rupert Neudeck vom 22.07.2016
Was sich im Umgang mit Flüchtlingen und in der deutschen Asyl-Bürokratie ändern muss. Das Vermächtnis des kürzlich verstorbenen Menschenfreunds Rupert Neudeck. Auszug aus seinem letzten Buch »In uns allen steckt ein Flüchtling«

In meinen Augen ist die wichtigste Forderung: Flüchtlinge müssen gleich nach ihrer Ankunft in Deutschland etwas tun! In der Regel ist in den deutschen Kommunen die Versorgung gut. Gar nicht gut ist aber, dass die Mehrzahl dieser Menschen einfach nichts tun muss und deshalb vieles brachliegt. Und das über Monate. Wir müssen uns bemühen, eine freundliche, aber bestimmte Disziplin in die Asylbewegung zu bekommen. Nur wenn wir das schaffen, können gewaltsame Auseinandersetzungen verhindert werden. Die Flüchtlinge brauchen einen geordneten Tagesablauf. Das kann aber nicht allein durch Deutschunterricht erreicht werden. Es müssen Projekte angestoßen werden, bei denen sich gerade junge Asylbewerber und Flüchtlinge einbringen können, etwa im Baugewerbe oder in anderen handwerklichen Berufen, in denen sie schon in ihrer Heimat Fertigkeiten an den Tag legten. Das ermöglicht ihnen eine Perspektive, und sie fühlen sich in ihrer Wartezeit nicht alleingelassen. Unsere eigene Mitleidshaltung, untermauert von unserem für selbstverständlich gehaltenen Wohlstand, führt dazu, dass wir Flüchtlinge noch immer als arme, abhängige Wesen sehen, denen im nächsten Krankenhaus eine Infusion gelegt werden muss. Passivität ist das größte Hindernis für Integration.

Vom ersten Tag ihrer Ankunft an sollte man den Flüchtlingen aber keine Angebote machen, sondern sie sollten einen Zettel in ihrer Sprache überreicht bekommen, auf dem ihre Verpflichtungen festgehalten sind. Zu diesen gehört aber nicht nur der tägliche Deutschunterricht, sondern auch das Reinemachen der Einrichtungen einschließlich der Toiletten und des gesamten Geländes.

Wollen sich gegenwärtig Flüchtlinge selbst an Reinigungs- und Küchendiensten beteiligen, müssen sie regelrecht darum kämpfen, denn Organisationen, die für die Erstaufnahme zuständig sind, geben die Anträge zur Reinigung der Unterkünfte an Firmen weiter, die davon profitieren.

Jeder Mensch lebt und erlebt sich durch ein Tätigsein. Das muss am Anfang nicht unbedingt eine tariflich entlohnte Arbeit sein, aber es sollten Möglichkeiten geschaffen werden, tagsüber etwas Sinnvolles zu tun. Deshalb sollten Asylbewerber etwa in Kommunen allgemeine Arbeitsdienste übernehmen oder in den Natur- und Umweltschutz eingeführt werden.

Viele Helfer sind über solche Forderungen schockiert, meinen, so etwas könne man den »armen Flüchtlingen« nicht zumuten, die

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