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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2016
CETA, TTIP und TISA stoppen! Fairhandel statt Freihandel
Der Inhalt:

Krieg, Wein und Schönschrift

Roman. Das Buch entführt in den Iran des Jahres 1722, als das Land noch Persien hieß. Schon auf den ersten Seiten taucht man ein in eine faszinierend fremde Welt, begleitet den jungen Protagonisten Allahyâr auf seinen Streifzügen über den Basar von Isfahan und begibt sich mit ihm ins Haus eines Christen, bei dem er heimlich Wein kauft, den die muslimischen Herrscher verboten haben. Doch dem Leser ist es nicht vergönnt, lange in Morgenland-Fantasien zu schwelgen: Isfahan wird von »den barfüßigen Afghanen« belagert, und in der Stadt bricht eine Hungersnot aus, die alle weiteren Handlungen bestimmt.

Der Autor Amir Hassan Cheheltan, geboren in Teheran, erstellt ein Mosaik von Isfahan: Aus der Ich-Perspektive von Allahyâr erzählt er von Krieg, Hunger und den Abgründen der menschlichen Seele – aber auch von Liebe, Zusammenhalt und tiefem Glauben. Der Zusammenprall verschiedener religiöser Denkrichtungen spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Sehnsucht des Protagonisten nach Sexualität und seine Leidenschaft für die Kalligrafie, die Kunst der Schönschrift, die ihn sein Großvater gelehrt hat.

Cheheltan hat kein Wohlfühlbuch vorgelegt, das zum Träumen von fernen Welten anregt. Stattdessen – und das verrät der Klappentext nicht – mutet der Roman seinen Lesern auch grausame Schilderungen zu. Da verkaufen Menschen vor Hunger ihre eigenen Kinder und essen das Fleisch von Leichen. Warum der Autor gelegentlich von der Ich-Perspektive abweicht und aus der Sicht eines Dritten erzählt, wird nicht deutlich. Ebenso bleibt unklar, wieso Cheheltan einen Handlungsstrang, der zu Beginn eine wichtige Rolle spielt – die Spurensuche Allahyârs nach seiner Mutter, einer französischen Hure –, dann