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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2016
CETA, TTIP und TISA stoppen! Fairhandel statt Freihandel
Der Inhalt:

Kolumne von Anne Lemhöfer: Rabeneltern on Tour

vom 22.07.2016

Wir sind eine Rabenfamilie. Die Rabeneltern berufstätig, Rabentochter (5) und Rabensohn (2) tagsüber in die Fremdbetreuung abgeschoben. Viele Leute machen das so, aber das ändert wohl wenig daran, dass wir Rabeneltern sind, fürchte ich. Dummerweise will unser Vermieter jeden Monat Geld, und zwar viel. Im Sommer möchten wir Urlaub machen. Die Rabenkinder wollen nicht nur Nudeln mit Ketchup essen (obwohl ...) und beteuern beharrlich, dass es ihnen in Krabbelstube und Kindergarten gefällt, weil da ihre Freunde sind. Also, zusammenfassend: Läuft bei uns.

Es heißt aber auch: Im Alltag unter der Woche sehen wir uns manchmal ziemlich wenig. Für uns Rabeneltern und unsere Rabenkinder ist es deshalb eine ganz besondere Zeit, wenn wir im Sommer das Auto vollpacken und ans »gooße Wasser«, wie mein Sohn sich ausdrückt, fahren. Wir sind zwei Wochen lang 24 Stunden am Tag zusammen!

Was man da alles erfährt: Der Zweijährige kann tatsächlich den Titelsong des Disney-Films »Die Eiskönigin« von Anfang bis Ende singen (und wieder von vorn, und wieder von vorn, und wieder ...) und kennt Partysongs wie »Komm hol das Lasso raus«. Okay, ich wusste, dass die Erzieherinnen nachmittags auch mal andere CDs als Rolf Zuckowski einlegen. Und offenbar war es keine einmalige Sache, als mal die »Mallorca-Hits 3« durchs offene, mit Origami-Hasen beklebte Fenster dröhnten, als ich zum Abholen kam. Die Große hat ein Lieblingsspiel, von dem wir auch noch nichts wussten: »Ich sehe was, was du nicht siehst.« Die wichtigste Regel: Man muss es zwölf Stunden lang durchspielen. So lange dauert die Fahrt von Frankfurt bis an die Cote d’Azur.

Auf der Autobahn »Ich sehe was ...« zu spielen ist eine kreative Herausforderung. »Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist ... weiß.« »Die Begrenzungspfähle.« »Stimmt.« »Jetzt ich. Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist ... rot.« »Die Rücklichter von dem Laster da vorne.« »Woher weißt du das so schnell?« »Rücklichter hattest du vorhin schon. Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist rosa.« »Gibt’s hier nicht.« »Do-hoch. Meine Unterhose.« »Die sehe ich aber nicht.« »Es heißt ja auch: Ich sehe was, was du nicht siehst.« Wo das Kind recht hat ...

Endlich angekommen. Abendessen unterm Zitronenbaum. Erkenntnis: Der Kleine isst ja Ziegenkäse! Die Große kommentiert alles, auch die Muscheln vom Markt, artig mit: »Ein kleines

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