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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2016
CETA, TTIP und TISA stoppen! Fairhandel statt Freihandel
Der Inhalt:

NACHGEFRAGT: Bilder vom Terror zeigen?

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 22.07.2016
Fragen an Jens Hoffmann, Psychologe und Experte für Bedrohungsmanagement

Publik-Forum: Herr Hoffmann, die Bilder des Lastwagens, der in Nizza Menschen überfahren hat, brennen sich ein. Wie sollten Journalisten mit solchen Bildern umgehen?

Jens Hoffmann: Wir müssen wegkommen davon, ständig Bilder von Attentätern zu veröffentlichen. Viele Täter wünschen sich, noch mal ganz groß rauszukommen. Wenn sie mithilfe von Live-Tatort-Fotos und -Videos in den Medien erscheinen, ist ihnen das gelungen. Die ganze Welt wird dann zur Bühne, der Untergang wird grandios. Diesen Berühmtheitseffekt gilt es zu verringern. Und es sind nicht nur die Bilder: Der Konkurrenzkampf der Medien um eine schnelle Berichterstattung führt dazu, dass noch am selben Tag eingeordnet und kategorisiert werden soll, anstatt erst einmal abzuwarten.

Aber selbst wenn Fernseh- und Zeitungsjournalisten das tun: Es gibt ja auch noch die sozialen Netzwerke ...

Hoffmann: Ja, und es ist erschreckend, wie schnell man auf Twitter sofort alles zu sehen bekommt. Die sozialen Netzwerke sind schwer zu kontrollieren. Ich denke aber, dass traditionelle Medien immer noch Leitmedien sind, die einen großen Einfluss und Vorbildfunktion haben. Dafür gibt es durchaus Beispiele.

Welche denn?

Hoffmann: Bei der Suizid-Berichterstattung. In den 1980er-Jahren haben sich in der »Wiener Selbstverpflichtung« Medien geeinigt, nicht mehr über Suizide auf U-Bahn-Gleisen zu berichten. Daraufhin hat sich die Quote derer, die Selbstmord im U-Bahn-Schacht begangen haben, um sechzig Prozent verringert. Es gibt viele Studien, die das belegen. Der Nachahmungseffekt ist von enormer Bedeutung – auch mit Blick auf terroristische Attentate. Durch eine extensive Berichterstattung produzieren wir die nächsten Täter mit. Werden Bilder von Terroristen gezeigt, animiert das potenzielle Nachahmer.

Warum?

Hoffmann: Gesichter markieren die Individualität der Gewalttäter. Egal ob die drei Mitglieder der rechtsradikalen Serienmördergruppe NSU oder der Anführer der Anschläge vom 11. September – ihre Gesichter kennen die meisten. Es besteht die Gefahr, dass die Täter so zu Ikonen, zu Helden stilisiert werden. Ein wirksames Gegenmittel wäre die mediale Entindividualisierung.

Das heißt, M

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