Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2017
Wem gehört die Welt?
Einblicke in die Machtverhältnisse des globalen Kapitalismus
Der Inhalt:

»Engagement wird zunichte gemacht«

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 07.07.2017
Wenn Bürger sich enttäuscht zurückziehen, bricht eine Säule der Demokratie weg, sagt der Politologe Jürgen Winkler

Publik-Forum: Herr Winkler, ist Nicola Steller (siehe oben) eine Ausnahme oder steht sie stellvertretend für viele Menschen, die enttäuscht sind vom deutschen Staat?

Jürgen Winkler: Eine Ausnahme ist sie wahrlich nicht. Gerade im Flüchtlingsbereich, wo viele Menschen Zeit, Geld und Herzblut investiert haben, ist die Enttäuschung groß. Um die Erfolgschancen der AfD zu begrenzen, drängen Politiker auf schnellere Abschiebungen und restriktivere Maßnahmen gegen Flüchtlinge. Viele Flüchtlingshelfer sehen darin eine Untergrabung ihrer Arbeit.

Was bedeutet es für die Demokratie, wenn sich nicht nur Rechtspopulisten frustriert von ihr abwenden, sondern auch engagierte christliche Bürger?

Winkler: Sie wenden sich nicht von der Demokratie ab, sondern von den Herrschaftsträgern, also den Politikern und Parteien. Das Vertrauen in die politischen Institutionen sinkt. Eine lebendige Demokratie ist angewiesen auf engagierte Bürgerinnen und Bürger. Wenn sich aber immer mehr Menschen enttäuscht vom Verhalten der Entscheidungsträger zurückziehen, bricht eine Säule der Demokratie weg.

Die Politiker sollten gesellschaftliches Engagement ernster nehmen und fördern?

Winkler: Ja. Die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger, sich zu engagieren, geht zurück, wenn sie merken, dass ihre Arbeit nicht wertgeschätzt wird. Alle, die Zeit und Geld in gemeinnützige Arbeit investieren, brauchen positive Anreize. Manchmal hilft es schon, wenn ein Entscheidungsträger einem freiwilligen Helfer auf die Schulter klopft, »Gut gemacht!« oder einfach »Danke« sagt. Das geschieht zu selten, oft ist das Gegenteil der Fall.

Inwiefern?

Winkler: Das Engagement wird zunichte gemacht, wenn Politiker Flüchtlinge abwerten oder sie zu Kriminellen abstempeln. Man kann auch die Frage nach einem Staatsversagen aufwerfen, wenn Flüchtlinge nicht ausreichend vor fremdenfeindlichen Übergriffen geschützt werden. Die Beobachtung, dass Entscheidungsträger etwa die in der Menschenrechtserklärung verankerten Grundwerte nicht verinnerlicht haben, bewirkt, dass sich Flüchtlingsaktivisten frustriert ins Private zurückziehen. Und: Einige Politiker haben Versprechen gemacht, die sie nicht einlösen.

Welche Verspreche

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen