Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2017
Wem gehört die Welt?
Einblicke in die Machtverhältnisse des globalen Kapitalismus
Der Inhalt:

Aufgefallen: Die Neue

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 07.07.2017
Jung, weiblich, politisch unerfahren: Typhanie Degois (24) ist all das, was es bisher in Frankreichs Parlament kaum gab. Eine Studentin wird Abgeordnete

Es sei ein »unvergesslicher Moment« gewesen, schreibt Typhanie Degois über den 27. Juni, den Tag, an dem sie zum ersten Mal als Abgeordnete den Plenarsaal des französischen Parlaments betrat. Die 24-Jährige ist Juristin, ihr Spezialgebiet ist internationales Unternehmensrecht. Eigentlich wollte sie im September in Paris ihre Ausbildung zur Anwältin fortsetzen, nun wird sie in der Nationalversammlung für Emmanuel Macrons Partei En Marche die Geschicke ihres Landes mitbestimmen.

Damit steht Typhanie Degois für einen Trend: Noch nie saßen so viele Frauen im französischen Parlament (38,6 Prozent), und noch nie zogen so viele politisch Unerfahrene ein (75 Prozent). Nicht alle Franzosen finden das gut; einige zweifeln daran, dass junge Menschen das können. »Wen wird Degois um Rat fragen, wenn sie Gesetze zum Terrorismus verabschiedet? Facebook?« Typhanie Degois ist es leid, immer nur »die Kleine« zu sein. Sie werde sich doppelt und dreifach anstrengen, um zu beweisen, »dass jung nicht inkompetent bedeutet«.

Degois unterstützte Macron schon, als den kaum einer kannte. Einen Tag nach der Gründung von En Marche trat sie der Bewegung bei. In ihrer Heimatstadt Aix-les-Bains im Südosten baute die 24-Jährige eine Ortsgruppe mit auf und engagierte sich im Jugendverband der Partei.

In ihrer Familie hat Politik kaum eine Rolle gespielt. »Wir haben am Abendbrottisch über die digitale Revolution und den Klimaschutz gesprochen, aber mehr nicht«, sagt Degois. Doch sie wollte sich einbringen: Als sie zwanzig war, trat sie der Partei UDI bei, die den Republikanern nahesteht. Die war ihr zu lahm, »ich konnte nichts tun«, sagt Degois – und verließ die Partei ein Jahr später.

Für En Marche eroberte sie während des Wahlkampfs die Region Savoyen, eine konservative Hochburg. Dort setzte sich die Juristin gegen einen Sechzigjährigen durch, der seit zwanzig Jahren Abgeordneter der Republikaner und zudem Bürgermeister von Aix-les-Bains ist. Er belächelte die junge Frau im Wahlkampf, sah in ihr keine Konkurrentin. Aber die Menschen wählten die Anfängerin.

Als Abgeordnete möchte Typhanie Degois in ihrer Heimatstadt die Wirtschaft ankurbeln, Arbeitsplätze schaffen. Und noch etwas liegt ihr am Herzen: Umwelt- und Tierschutz. Sie engagiert

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen