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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2012
Satte Geschäfte
Wie Spekulanten Hunger machen
Der Inhalt:

Verlorene Autorität

von Barbara Jentzsch vom 04.07.2012
Margaret Farley, Elisabeth A. Johnson: Der Streit zweier US-Theologinnen mit dem Vatikan ist hoffnungslos – für Rom

Gottes Mühlen mahlen im Vatikan auch nicht schneller. Nur deshalb hat sich das vom jüngsten römischen Bannstrahl getroffene Buch der amerikanischen Theologin Margaret Farley »Just Love. A Framework for Christian Sexual Ethic« zum Lehrbuch-Bestseller entwickeln können. »Einfach Liebe. Ein Grundriss der christlichen Sexualethik« erschien bereits 2006 und wurde 2008 mit dem begehrten Grawemeyer-Preis in der Kategorie Religion ausgezeichnet.

Doch Lob und Preis brachten der dem Orden der Barmherzigen Schwestern angehörenden emeritierten Hochschullehrerin (Yale) und früheren Präsidentin der Katholischen Theologischen Gesellschaft bei der Glaubenskongregation keine Pluspunkte. Im Gegenteil. Um die Verbreitung der misslichen liberalen Leitlinien zu zeitgenössischen sexuellen Moralfragen einen Riegel vorzuschieben, wurde »Just Love« 2010 einem »dringlichen Lehrprüfungsverfahren« unterzogen. Anfang Juni diesen Jahres folgte die Notifikation – eine vom Papst nicht nur gebilligte, sondern ausdrücklich angeordnete offizielle Rüge.

Fünf volle Seiten füllt die Kritik. Farley zeige kein richtiges Verständnis der Rolle des Lehramtes in der Kirche. Ihre Ansichten seien mit »echt katholischer Theologie« unvereinbar, stünden im Widerspruch zum Katechismus, zeigten ein falsches Verständnis der natürlichen Moralgesetze und drohten den Gläubigen schweren Schaden zuzufügen. Katholischen Pädagogen wird nahegelegt, »Just Love« im Unterricht nicht zu benutzen. Ausdrücklich heißt es in der Notifikation unter anderem: »Zu den vielen Irrtümern und Zweideutigkeiten dieses Buches gehören die darin enthaltenen Aussagen über Masturbation, homosexuelle Handlungen, homosexuelle Lebensgemeinschaften, die Unauflöslichkeit der Ehe und das Problem von Scheidung und Wiederverheiratung.«

Farleys Positionen werden Punkt für Punkt zurückgewiesen: Während Selbstbefriedigung für Farley im Grunde keine moralische Frage aufwirft und ihrer Überzeugung nach einer Partnerschaft sogar dienlich sein kann, gilt Masturbation gemäß der römischen Lehre als eine »an sich schwerwiegend gestörte Handlung«. Farley sagt weiter: »Gleichgeschlechtlich empfindende Personen sowie ihre Handlungen können und sollen respektiert werden. Die gleichgeschlechtliche Ehe kann dem Hass, der Ablehnung und der Stigmatisierung von Homosexuellen entgegenwirke

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