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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2012
Satte Geschäfte
Wie Spekulanten Hunger machen
Der Inhalt:

Wir sind Großinquisitor

von Thomas Seiterich vom 04.07.2012
Der deutsche Papst ernennt den deutschen Bischof Gerhard Ludwig Müller zum Chef der römischen Glaubenskongregation

Benedikt XVI. ernennt Gerhard Ludwig Müller, den Rechtsaußen in der Deutschen Bischofskonferenz, zum Chef der ehedem sogenannten »Heiligen Inquisition«und zweitwichtigsten Amtsinhaber im Vatikan. Diese wichtige Personalentscheidung ist ein theologischer Richtungsentscheid nach rückwärts. Er kam nicht überraschend. Der Karrieresprung für Müller von Regensburg nach Rom verheißt nichts Gutes. Progressive Theologen sollten sich schon mal warm anziehen.

Aufatmen im Bistum Regensburg. Besorgnis in den großen, Theologie treibenden Orden der Jesuiten, Dominikaner und Franziskaner sowie an vielen Orten rund um den Globus, wo katholische Theologinnen und Theologen entsprechend den neuen Fragen von heute neue Wege gehen.

Gerhard Ludwig Müller, den dröhnenden Bischof mit herrscherlicher Attitüde, sind die Regensburger nach einem Jahrzehnt voll rechtem Kirchenchaos endlich los. Nun erhebt der angeschlagene Papst Müller zum Präfekten der Glaubenskongregation. Sie ist den Behörden des Vatikans übergeordnet und besitzt in fast sämtlichen Fragen Mitsprachepflicht. Der matt wirkende Papst zeigt damit Entscheidungskraft. Ein Richtungsentscheid für einen theologischen Verfechter des römischen Zentralismus: Benedikt will, dass es noch konservativer weitergeht als bisher.

Denn Müllers Vorgänger im Amt des Großinquisitors, US-Kardinal William Joseph Levada, hatte sich in seinen wenigen Amtsjahren in Rom als ein Konservativer mit Augenmaß entpuppt. Solches Augenmaß ist die überlebensnotwendige Technik für jeden Glaubenspräfekten. Denn angesichts eines Mitarbeiterstabes von rund zwei Dutzend Theologen in der Kongregation bei jährlich Tausenden eingehenden Anzeigen und Fällen würde jeder allzu kleinliche Verfolger kleiner theologischer Abweichungen im Meer der Fälle untergehen.

Augenmaß hat Müller in seinen Regensburger Bischofsjahren nicht an den Tag gelegt. Im Gegenteil. Er pflegte Feindschaften. Die trug der Streithansel-Bischof nicht selten vor Gericht aus. Das Aus für die Pfarrgemeinderäte und die Gängelung der Theologen waren ganz besonders wichtige Anliegen für Müller, der im Kontakt mit Nichtpriestern eher gehemmt auftritt.

Benedikt XVI. holt sich mit Müller den konservativen Widerpart der vom Papst umworbenen Piusbrüder nach Rom. Angesichts des Traditionalisten-Zentr

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