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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2012
Satte Geschäfte
Wie Spekulanten Hunger machen
Der Inhalt:

Knaben unter dem Messer

von Hartmut Meesmann vom 04.07.2012
Ein Kölner Gericht hält die religiös begründete Beschneidung für unzulässig. Was bedeutet das Urteil für die Religionen?

Die Empörung ist groß: Von einem »verfassungswidrigen« Urteil, das ein religiös lebendiges Judentum in Deutschland unmöglich mache, spricht der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Der Zentralrat der Muslime erkennt einen »eklatanten und unzulässigen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften«. Ähnlich sieht es der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff als Vorsitzender der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum der Deutschen Bischofskonferenz. Und für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) unterstreicht Hans Ulrich Anke, Präsident des EKD-Kirchenamtes, »das elterliche Recht der Personensorge, gerade auch in religiösen Dingen«, als ein »hohes Rechtsgut«.

Auslöser der Aufregung ist ein spektakuläres Urteil des Landgerichts Köln. Dieses hatte kürzlich als zweite Instanz im Fall eines vierjährigen muslimischen Jungen entschieden, dass die Beschneidung von männlichen Babys und Jungen als »schwere und irreversible Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit« zu werten sei. Das religiöse Ritual der Beschneidung wäre damit eine strafbare Handlung.

Mit dem brisanten Thema wird sich wohl in absehbarer Zeit das Bundesverfassungsgericht beschäftigen. Denn es steht das grundgesetzlich geschützte Recht auf freie Ausübung der Religion gegen das Recht auf körperliche Unversehrtheit.

Befürworter der Beschneidung bestreiten energisch, dass dieser Eingriff zu einer körperlich-seelischen Schädigung führe. Der Zentralrat der Juden in Deutschland erklärt: »Die Beschneidung von Jungen ist fester Bestandteil der jüdischen Religion und wird seit Jahrtausenden praktiziert.« Außerdem wird darauf verwiesen, dass Millionen von Männern auf der ganzen Welt, nicht nur religiöse, beschnitten seien.

Andererseits gibt es vor allem in den USA schon seit Längerem eine heftige Diskussion darüber, ob die Bescheidung nicht eben doch ein Eingriff in die Integrität von Jungen und Männern ist. Es sind nicht nur antireligiöse Stimmen, die sich da zu Wort melden. Auch in der Männerbewegung überwiegen die kritischen Bewertungen. Die Sensibilität für Fragen der

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