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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2019
Was ist heilig?
Der Inhalt:

Das Aufbegehren der Samurai

Außenseiter haben es schwer in Japan. Doch auf dem Filmfestival Nippon Connection spielen sie eine Hauptrolle

Japan kann gnadenlos sein. »Der Nagel, der hervorsteht, wird flach gehämmert«, lautet dort ein Sprichwort. Anderssein ist in der kollektivistischen Gesellschaft Japans nicht erwünscht; der Einzelne zählt wenig, er hat sich anzupassen. »Wer von der Norm abweicht, hat keine Chance«, sagt der Filmwissenschaftler Florian Höhr. Einzige Ausnahme sei die Kunst; besonders im Film fänden sich viele Geschichten über Außenseiter, die ihren eigenen Weg gehen. Höhr ist Kurator beim japanischen Filmfestival Nippon Connection in Frankfurt am Main, das dieses Jahr den »Outlaws« einen Themenschwerpunkt widmete.

Vom Aufbegehren gegen gesellschaftliche Zwänge erzählt beispielsweise der Dokumentarfilm »Portraits Of The Rainbow«: Die Regisseurin Ayumi Nakagawa hat einen Fotografen begleitet, der homosexuelle und transsexuelle Menschen porträtiert. Wie schwierig queeres Leben im scheinbar so modernen und an der Oberfläche häufig quietschbunten Japan ist, berichtet eine Protagonistin, deren Partnerin sich das Leben nahm, weil sie die Ablehnung ihrer Eltern nicht ertragen konnte.

Auch psychische Krankheit ist in Japan immer noch ein Tabu. Kosai Sekine hat sich dem Thema in seinem Spielfilmdebüt »Love At Least« angenähert: Er zeigt eine junge Frau, die unter schweren Depressionen und Schlafsucht leidet und in ihrer eigenen Welt gefangen ist. Dichte Bilder und eine atemberaubende schauspielerische Leistung erzeugen einen emotionalen Strudel, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Von Grenzgängern und Menschen, die sich treiben lassen, weil sie keinen Platz im Leben finden, handeln etliche Filme des Festivals. So auch der Lieblingsfilm vieler Kritiker: »And Your Bird Can Sing« ist da