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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2019
Was ist heilig?
Der Inhalt:

Herbstsonate von Ingmar Bergmann als Filmoper

Oper. Ja, das gibt es: Opern, die auf Filmen basieren. »Brokeback Mountain«, der Liebesfilm um zwei schwule Cowboys, wurde ebenso vertont wie »Dead Man Walking«, das Drama um einen zum Tode Verurteilten. Nicht immer stellt sich dadurch ein erkennbarer Mehrwert ein, kann die Oper etwas erzählen, was über die Mittel des Films hinausreicht.

Zu den überzeugenden Adaptionen gehört Sebastian Fagerlunds Oper »Höstsonaten«. Basierend auf Ingmar Bergmanns berühmtem Film »Herbstsonate« erzählt sie von einer komplizierten Mutter-Tochter-Beziehung: Charlotte Andergast, eine berühmte Konzertpianistin, besucht an einem Herbstwochenende ihre Tochter Eva im ländlichen Norwegen. Beide sind sich das letzte Mal vor sieben Jahren begegnet. Das Treffen beginnt harmonisch, doch schnell tauchen alte Konflikte wieder auf.

Das zweiaktige Musikdrama wurde im September 2017 in Helsinki uraufgeführt und lässt sich nun in einer klanglich exzellenten Aufnahme nachhören. Faszinierend der Farbenreichtum der Musik: Da ist nichts verkopft oder rätselhaft konstruiert, sondern emotional unmittelbar erfassbar – in vielen Punkten fast schon traditionell. Der finnische Komponist Fagerlund hat ein großes Gespür für opernhafte Dramatik, nutzt die Möglichkeiten kontemplativer Situationen, erzeugt aber auch expressiv zugespitzte Konfrontationen. Überraschend und klug ist die Entscheidung, das Klavierspiel der Protagonistin Charlotte Andergast vollständig auszuklammern. Wunderbar und beklemmend zugleich gerät so die Szene, in der Charlottes Tochter Eva ihrer Mutter am Klavier etwas vorspielt. Gerade das Fehlen dieser Musik verdeutlicht die Not, den Schmerz, den Verlust, den alle Figuren mit sich herumtragen. Jed