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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2018
Streit ums Abendmahl
Der Ökumene droht der Totalschaden
Der Inhalt:

Surfen, klicken, wegwerfen

Amazon vernichtet neuwertige Waren – der Skandal hat jedoch tiefere Ursachen

Was früher Einkaufsbummel hieß, findet heute oft am Bildschirm statt. Ist ja auch bequemer, vom Sofa aus nach Klamotten zu stöbern oder Dichtungsringe für den alten Wasserhahn zu suchen, als sich auf den Weg ins nächste Geschäft zu machen. Die Folgen sind bekannt: Niedergang des Einzelhandels, verödende Innenstädte, wachsendes Verkehrsaufkommen. Und jetzt auch noch diese schockierende Nachricht: Amazon vernichtet gebrauchsfähige Produkte. Greenpeace und die Deutsche Umwelthilfe reagierten zu Recht empört.

Doch gehört nur der Onlinehändler an den Pranger? Man darf sich keine Illusionen machen: Auch der stationäre Einzelhandel vernichtet Waren, die beschädigt oder aus anderen Gründen unverkäuflich sind. Was sollten die Händler damit auch tun? Lagerraum ist teuer. Produkte zu spenden erfordert einen gewaltigen buchhalterischen Aufwand und kostet Umsatzsteuer. Reparieren wäre in den meisten Fällen unbezahlbar. Schon zu Zeiten des seligen Quelle-Katalogs wurden deshalb viele Retouren aus dem Verkehr gezogen, weil sich das Waschen, Bügeln und Neuverpacken nicht gelohnt hätte. Und, Hand aufs Herz, wer hat noch nie funktionstüchtige Haushaltsgegenstände entsorgt? Oder trägt Kleidung, die geflickt oder unmodisch ist?

Die Wegwerfmentalität resultiert aus einem gewaltigen Überangebot bei unfassbar niedrigen Preisen; Amazon ist da nur ein Puzzleteil. Wer die immense Rohstoff- und Energieverschwendung verhindern will, muss die Produzenten in die Pflicht nehmen: Sie müssten Waren herstellen, die sich recyceln und vor allem auch leicht reparieren lassen. Damit das auch geschieht, braucht es endlich