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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2018
Streit ums Abendmahl
Der Ökumene droht der Totalschaden
Der Inhalt:

Schäbige Instrumentalisierung

Politik und Medien haben den Mord an Susanna F. für ihre Zwecke benutzt

In Deutschland wurden 2017 laut Bundeskriminalamt 405 Morde registriert. Auch 2018 dürfte die Zahl in etwa diese Größenordnung erreichen. Jeder Mord ist eine menschliche Katastrophe. Dennoch rücken manche Morde ins Zentrum der Aufmerksamkeit, andere werden ignoriert, als seien sie nie geschehen.

Die Ermordung der Susanna F. in Wiesbaden wurde tagelang breitgetreten, weil der Täter ein Flüchtling aus dem Irak ist. Hier wurde ein abscheuliches Verbrechen mit der Asylfrage verknüpft und somit für politische Zwecke instrumentalisiert. Medien und Politiker nutzten es, um Flüchtlinge in ein schlechtes Licht zu rücken und um Stimmung für eine härtere Abschiebepraxis zu machen.

Die Bild-Zeitung titelte: »Wenn er abgeschoben worden wäre …, … würde sie noch leben.« Diese Behauptung suggeriert, man habe das Verbrechen vorhersehen können. Sie ist gepaart mit der schäbigen Unterstellung: Alle Flüchtlinge sind mögliche Mörder. Dasselbe Argument ließe sich auf alle Verbrechen anwenden: Wäre der Amokläufer vor seiner Tat ausgeschaltet worden, hätte er nicht … Eine weitere Logik wird unterschlagen, auf die die Süddeutsche Zeitung hinweist: »Wenn Hunderttausende statt zu fliehen, in Syrien, Afghanistan, Irak geblieben wären, wären viele von ihnen tot. Flüchtlinge sind in Deutschland, weil sie Lebende sein wollen.«

Trotz allem bleibt ein kleiner Trost: Die Menschen lassen sich nicht beliebig benutzen. Fünf Demonstrationen wurden in Wiesbaden nach dem Mord angemeldet. Drei davon wurden abgesagt, mangels Beteiligung. Zur Demonstration der AfD kamen gerade mal achtzig Leute, zur Gegendemo 120. Es ist doch nicht so