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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2017
Im Herzen die Freiheit
Iran: Reise in ein Land der Widersprüche
Der Inhalt:

Wer oft stört, räumt die Mensa auf

von Karl Grünberg vom 23.06.2017
Jeden Tag ein Lob und jede Woche ein Gespräch mit dem Tutor: Eine Hauptschule in Berlin-Wedding will alle ihre Schüler zum Abschluss führen – mit intensiver Betreuung und mit Konsequenz

Sie strömen in den Klassenraum, die Problemschüler aus dem Wedding. Die, von denen es heißt, dass aus ihnen nichts werde. Die Jungens haben die Kapuzen ins Gesicht gezogen. Sie lachen, schubsen sich. Die Mädchen, einige ruhig, andere selbstbewusst, ein paar mit Kopftuch, die meisten ohne. So weit, so normal für eine Schule in einem Bezirk, in dem fast jeder zweite Schüler mit Sprachschwierigkeiten eingeschult wird und jeder dritte Schüler ohne Abschluss von der Schule geht.

Vorne links sitzt Jeremy. Er ist ein quirliger, kluger Junge. Aber einer, der nicht merkt, wenn es besser wäre, mit Quatschmachen aufzuhören. Heute wird er zweimal die rote Ampel kriegen und ein Konsequenz-Gespräch mit der Lehrerin. Hinten in der Mitte sitzen Fatima und Memet. Sie, klein und zierlich, macht mit, will sich konzentrieren. Doch er, groß und bärig, ist einer, der sagt: »Ich kann das eh nicht.« Er lässt sich von allem ablenken und lenkt selber gerne ab, am liebsten Fatima. Er klaut ihre Stifte und versucht, die Lösungen bei ihr abzuschreiben. Vorne rechts sitzen die Engagierten, Mädchen und Jungs, die sich melden und still vor sich hinarbeiten. 26 Schüler, bei nur zwei von ihnen sind sowohl die Eltern als auch die Großeltern in Deutschland geboren.

Das ist die 8. Klasse der Quinoa-Schule. Einer Privatschule, die vor drei Jahren angetreten ist, um einiges anders zu machen. Ihr Ziel: Keiner wird zurückgelassen. Jeder Schüler soll mit einem Abschluss die Schule verlassen. Ihre Methode: Konsequenz und intensive Betreuung. Doch wie sieht das genau aus?

Es ist 8.30 Uhr, ein Gong ertönt. Juliane Schäfer, die Klassenlehrerin, schaut in die Runde. Eigentlich unterrichten sie immer zu zweit, doch heute ist die Kollegin krank. Hinter ihr läuft eine Stoppuhr, per Beamer auf das digitale Whiteboard projiziert. Sie ist ein Signal an die Jugendlichen: Unterrichtszeit ist wertvoll, verschwendet sie nicht. Jedes Mal, wenn gequatscht wird, die Klasse laut ist und nicht arbeitet, lässt Frau Schäfer die Uhr laufen. Jung und zierlich sieht die 31-jährige Lehrerin aus, nicht wie eine, der man zutraut, einen Haufen Wedding-Kids zu Ordnung und Disziplin anzuhalten. Aber das ist nur der erste Eindruck, denn ihre Stimme wird Frau Schäfer in den nächsten neunzig Minuten, so lange dauert hier ein Block, kein einziges Mal erheben. Muss sie auch nicht. Denn die Schüler werden leise, h

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